Dr. Dieter Duhm
   DIE FRIEDENSSCHULE MIRJAAusbildungsstätte für globale Friedensarbeiter
 

DIE FRIEDENSSCHULE MIRJA

Die Schule Mirja ist eine Friedensschule im Rahmen des Zukunftsprojekts "Tamera". Sie liegt im portugiesischen Alentejo. Hier wird seit einigen Jahren ein neues Konzept für globale Friedensarbeit entwickelt: das "Projekt der Heilungsbiotope".

Heilungsbiotope sind globale Kulturzentren von einigen hundert Bewohnern, in denen neue Formen der Kooperation von Mensch, Natur und Schöpfung entwickelt werden. Ihre Überlebenskraft ist in einem Lebensprinzip verankert, welches als "universelle Daseinsweise" beschrieben wird. Die Schule Mirja vermittelt die Kenntnisse und Fähigkeiten, die für den Aufbau funktionierender Heilungsbiotope und für ihre weltweite Vernetzung notwendig sind. Die Schule ist verbunden mit einem politischen Ashram, wo die Gedanken der Grundausbildung durch ein mentales und körperliches Training vertieft werden.

1.
Die derzeitige menschliche Zivilisation ist am Ende. Die wirtschaftliche und politische Globalisierung ist eine Globalisierung der Gewalt. Demokratisch gewählte Regierungen beteiligen sich am Völkermord. Die globale Geldherrschaft lebt von der Vernichtung ihrer Opfer. Das Inferno kommt täglich näher. Die gequälten Völker, Menschen und Tiere haben keinen Schutz und kein Forum auf der Erde. Die Grundwerte menschlichen Zusammenlebens - Wahrheit, Vertrauen, Anteilnahme, Solidarität und Hilfe für die Hilfsbedürftigen - sind ruiniert. Wir brauchen keine Reformen mehr, wir brauchen Frieden. Friede ist keine Reform, sondern die vollkommenste Revolution unserer Lebensverhältnisse. Die Spezies Mensch braucht ein neues Siedlungskonzept für ihr Dasein auf dem Planeten Erde. Wir brauchen eine neue Einbettung in das Ganze der Schöpfung, eine neue Ordnung der menschlichen Gemeinschaft, ein neues Konzept für Sexualität und Liebe, eine neue Art von politischer Vernetzung und eine fundamentale Verständigung mit allen anderen Mitgeschöpfen der Erde.

2.
Die Schule Mirja ist eine Ausbildungsstätte für den Aufbau einer globalen Friedenskraft. Hier werden Friedensarbeiter ausgebildet für die kulturellen und politischen Aufgaben, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen. Sie dient auch der Berufsfindung im Rahmen einer neuen, planetarischen Friedenskultur. Die Gedanken und Ziele dieser Friedensarbeit sind aufgeschrieben im "Tamera-Manifest" (Dieter Duhm, März 1999). Alle Mitarbeiter der Schule Mirja - die Schüler wie die Lehrer - befinden sich in einem höheren Status der Schülerschaft. Das Lernen erfolgt in einem schöpferischen Kontinuum, wo alle Zeichen und Impulse - seien es Träume oder Tagesereignisse, politische Nachrichten oder ein unerwarteter Telefonanruf - in die Ausbildung einbezogen werden. Sinngemäß nach Martin Buber: Wir beten, und Gott antwortet durch die Ereignisse, die uns entgegenkommen.

Alle Schüler der Schule Mirja haben vorher verschiedene Veranstaltungen in Tamera durchlaufen. Das Mindeststudium an der Schule Mirja dauert ein Jahr. Es besteht aus einer dreimonatigen Grundausbildung und einer anschließenden neunmonatigen Praxis. Für professionelle Mitarbeiter dauert die Ausbildung drei Jahre. Die Schüler - meistens zwischen 20 und 40 Jahre alt - erhalten in dieser Zeit einen Überblick über das Projekt der Heilungsbiotope, über andere internationale Projekte, über ihre eigenen Einsatzmöglichkeiten und über die erforderlichen Berufe der entstehenden Friedenskultur. Die Grundausbildung dient ihrer Vorbereitung auf die Mitarbeit im globalen Friedensnetzwerk, sei es die Mitarbeit in Tamera, die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften und Zentren, die Kontaktaufnahme mit alten Friedensvölkern oder ein humanitärer Einsatz in Krisengebieten. Vor allem studieren sie in Theorie und Praxis die Möglichkeiten für ein zukünftiges gewaltfreies Zusammenleben aller Kreatur auf Erden. Die Basis der hier entwickelten Friedensarbeit liegt in der "universellen Daseinsweise", d.h. in der Wiederverbindung mit den höheren Ordnungen und den heiligen Kräften der Schöpfung. Alle Schüler arbeiten in der einen oder anderen Weise am Aufbau funktionierender menschlicher Gemeinschaften, denn nur in lebendigen Gemeinschaften kann das Friedenswissen entstehen, das wir heute brauchen, und nur gemeinschaftsfähige Menschen sind in der Lage, eine Lösung zu sehen für die anstehenden sozialen, sexuellen, spirituellen und ökologischen Probleme unserer Zeit. Das autonome Individuum, welches in der Lage ist, sich und sein Leben angstfrei aufzubauen, ist kein privates, sondern ein kommunitäres Wesen. Alles Sein ist von kommunitärer Natur, alle Entwicklung erfolgt in Gemeinschaft, alle Evolution ist Koevolution. Die Voraussetzungen für eine gesunde Koevolution sind Wahrnehmung und Vertrauen. - Auf diesem Wege schließt sich immer wieder der Kreis von Theoriebildung und Lebenspraxis.

Somit ergeben sich die Hauptthemen im Unterrichtsprogramm der Schule Mirja:

1. Die Herstellung von Vertrauen unter Menschen.
2. Die Kooperation mit Pflanzen, Tieren und geistigen Wesen.
3. Der Aufbau überlebensfähiger Zukunftsgemeinschaften.
4. Die Wiedereinordnung des menschlichen Lebens in die universellen Ordnungen der Schöpfung.
5. Die Heilung der Sexualität und ihre Befreiung von allen Ängsten und Erniedrigungen.
6. Die Einleitung profunder seelischer und körperlicher Heilungsprozesse.
7. Die Unterbrechung der weltweiten Kette von Angst und Gewalt durch den Aufbau einer konkreten Friedensinformation.
8. Gruppenleitung.
9. Globale Netzwerkarbeit.
10. Politische Theorie der Heilungsbiotope.

3.
Die Wiedereinordnung des menschlichen Lebens ins kosmische Ganze verlangt eine tiefe Überwindung der geschichtlich gespeicherten Angst. Wenn wir die weltweite Kette von Gewalt und Angst überwinden wollen, müssen wir sie in uns selbst überwinden. In bewegenden Rückführungstrancen erleben die Gruppenteilnehmer, wie sehr wir alle - mal als Täter, mal als Opfer - in diese geschichtliche Kette aus Angst und Gewalt verstrickt sind und welche Folgen das hat für unser gegenwärtiges Leben. Am tiefsten liegen die Verstrickungen im sexuellen Bereich, weil hier in der patriarchalen Epoche der letzten 5000 Jahre die brutalsten Mittel verwendet wurden, um Angst und Gewalt als Herrschaftsmittel - zunächst gegen die Frau, dann gegen alle "Geringeren", "Unbotmäßigen" oder "Sünder" - durchzusetzen. Wenn wir daran denken, daß noch vor wenigen Jahrhunderten Männer der Kirche ernsthaft begonnen haben, das weibliche Geschlecht auszurotten (Hexenhammer, Inquisition), wenn wir sehen, mit welchen "Schwanz ab!"- Parolen der moderne Feminismus zurückgeschlagen hat, dann ahnen wir, mit was für einem schweren Erbe wir alle - Männer wie Frauen - im sexuellen Bereich belastet sind. Die Unterdrückung oder Verflachung der Sexualität ist in allen männlichen Religionen und Staaten das Herrschaftsmittel Nummer Eins geworden. Sie ist auch die Voraussetzung für den hemmungslosen Konsumismus, welcher unsere Kinder, unsere Natur und unseren Planeten zerfrißt. Aus diesem Grund ist eine Heilung von Mensch und Erde nur möglich, wenn es gelingt, die Sexualität zu heilen und den sexuellen Energien ihre göttliche Ordnung zurückzugeben. Eine neue Kultur wurzelt in einem neuen Verhältnis der Geschlechter.
Die heute angebotenen Reformkonzepte haben nicht mehr die Kraft einer wirklichen Erneuerung. Sie respektieren nicht die Tatsache, daß Heilung mit Heiligung zu tun hat und daß die geistige Heilung nur gelingen kann, wenn sie verbunden ist mit der sinnlichen Heilung - und umgekehrt. Dies sind keine leeren Worte, sondern ernsthafte Anforderungen an unsere eigene Arbeit. Die Gemeinschaften der Zukunft werden den sexuellen Knoten gelöst haben - oder sie werden nicht existieren. Religion und Eros waren die Quellen unserer Existenz. Wir brauchen neue Konzepte für beide, damit sie es wieder werden können.
In diesem Sinne ist die Schule Mirja eine "exoterische" Mysterienschule, wo Wissen aus alter Zeit mit den Erfordernissen einer neuen Kulturepoche verbunden wird. Im Innersten steht die Transformation der Gewalt, die Wiederverbindung mit den göttlichen Schöpfungskräften und die Wiederentdeckung unserer Gaia-Erde als eines einheitlichen, beseelten und bewußten Lebenskörpers. Die einzelnen Lernschritte sind oft begleitet von ungewöhnlichen Kontakten mit Tieren. Tiere sind Aspekte der Gaia-Seele und suchen die Kooperation mit uns. Unter solchen Gesichtspunkten entwickelt sich von selbst eine umsichtige, pflegende und vegetarische Lebensweise.


4.
Ein zentraler Lernbereich der Schule Mirja ist der Aufbau funktionierender Gemeinschaften. Wir brauchen hier vollkommen neue Konzepte. Keines der alten Konzepte von Führertum und Anhängerschaft, Zugehörigkeit und Ausschließung, Kollektivismus und Uniformismus, Zusammenhalt im Inneren durch Feinde im Äußeren etc. ist in der Lage, den Erfordernissen eines gewalt- und angstfreien menschlichen Zusammenlebens zu entsprechen. Auch die neueren Begriffe von "autoritär" oder "antiautoritär", "zentralistisch" oder "dezentral", "Hierarchie" oder "Basisdemokratie" geben nicht viel her, wenn es darum geht, reale, haltbare, positive Fundamente zu legen für ein neues Vertrauen unter den Menschen. Die neuen Gemeinschaften sind selbstverständlich basisdemokratisch, aber was für innere Qualitäten von Wahrheit, von Verantwortungsbewußtsein und kommunitärer Ethik müssen die Mitglieder einer Gemeinschaft entwickelt haben, um wirklich basisdemokratisch agieren zu können? Die Gemeinschaften der letzten 30 Jahre scheiterten nicht an einem äußeren Feind, sie scheiterten an ihren inneren Konflikten und Rivalitäten.
Wenn wir die ökologischen und sozialen Krisen, die wir herbeigeführt haben, überleben wollen, sind wir gezwungen, uns auf völlig neue, dramatische Gemeinschaftsunternehmen einzulassen. Gemeinschaft unter Menschen, aber dann auch Gemeinschaft mit allen Lebewesen und - auch wenn es seltsam klingen mag - Gemeinschaft mit den geistigen Kräften des Universums. Höheres Sein ist umfassenderes Vereintsein, sagte Teilhard de Chardin in seiner Schau auf die höheren und stabileren Ordnungen des Lebens. Die Basis einer funktionierenden Menschengemeinschaft ist das Vertrauen. Vertrauen ergibt sich aus der Wahrheit, aus der gegenseitigen Unterstützung und aus der Transparenz der Ereignisse, vor allem aus der Transparenz der bestehenden Machtstrukturen, Entscheidungsstrukturen und sexuellen Strukturen. Einleuchtende Modelle für die menschliche Gemeinschaft ergeben sich unter anderem aus den Systemen von Holografie und Chaosforschung. Es sind nichtlineare, offene, nirgends abgeschlossene und sehr komplexe Systeme, in denen sich das Gemeinschaftsleben der Natur organisiert hat. Aus dem Studium solcher Systeme ergeben sich die notwendigen Parameter für Funktionsfähigkeit, Überlebenskraft und Wachstumsmöglichkeiten menschlicher Gemeinschaften. Sie ergeben sich allesamt aus der Verbindung und Übereinstimmung (Kompatibilität) mit den nächst höheren Strukturen der Schöpfung.
Diese höhere Übereinstimmung mit universellen Ordnungen ermöglicht einen Vorgang, der für die weitere Evolution des Menschen entscheidend ist: die angestauten Energien, die in den alten Systemen regelmäßig "nach unten" entladen wurden durch Zerstörung und Krieg, können jetzt "nach oben entkommen" und auf einer höheren Ordnungsebene wirksam werden. Das Ordnungsprinzip chaotischer Lebenskräfte liegt nicht unter, sondern über den Ordnungsstrukturen der alten bisherigen Gesellschaften. Die gewünschte Stabilität schließt auf dieser höheren Ebene unsere elementaren Triebkräfte nicht mehr aus, sondern ausdrücklich ein. Damit ist die verhängnisvolle moralische Doppelbödigkeit aufgehoben, in der sich die menschliche Gesellschaft jahrtausendelang bewegen mußte. Dies sind Zusammenhänge, die in der Schule Mirja auf vielfältige Weise durchdacht und entwickelt werden.
Man sieht, warum eine gute Portion von ganz elementarer Theoriebildung zum Ausbildungsprogramm der neuen Zentren gehören sollte. Hier entsteht nicht einfach akademische Wissensvermehrung, sondern neues Wissen im Sinne einer neuen Gesamtorientierung. Es ist ein "Studium generale" neuen Typs. Die ca. 30 Teilnehmer eines dreimonatigen Kurses bilden eine Gemeinschaft, welche an sich selbst die neuen Prinzipien prüfen und verstehen kann. So ist die Forschungsarbeit in der Schule Mirja immer mit ganz konkreter eigener Erfahrung verbunden.
"Nur Stämme werden überleben" - dieser Satz eines Indianerführers (Vine Deloria jr.) ist vielleicht etwas übertrieben, trifft aber den Kern der Sache, falls wir bei "Stämmen" nicht an Höhlenbewohner denken, sondern an hochbewußte Kristallisationskerne der nachkapitalistischen Menschheit.


5.
Ein wesentlicher Teil der Ausbildung ist die "Arbeit an sich selbst". Wir können im Äußeren nur so viel Frieden bewirken, wie wir im Inneren erreicht haben. Die Konflikte, die wir im Äußeren erleben, sind Widerspiegelungen von Konfliktpotentialen, die wir - als Teil der Geschichte und als Teil der Menschheit - in uns selber tragen. Auch die bestehenden Täter-Opfer-Strukturen sind tief in uns selbst und in unserer karmischen Geschichte verankert. Feinde von früher treten heute als unsere Freunde auf und umgekehrt. Die Dinge wiederholen sich, bis sie gelöst sind. Wir müssen sie lösen, um weitere Kettenreaktionen zu vermeiden. Die Lösung beginnt bei uns selbst. Wir müssen Abschied nehmen von etlichen Egospielen, die wir in der inneren Isolation gelernt haben, Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten der Erpressung, des Beleidigtseins und des Trotzes; wir müssen lernen, uns von eingefleischten Ängsten, Schwindeleien, Angebereien etc. zu trennen, wenn wir eintreten wollen in den Funktionskreis einer tragfähigen Gemeinschaft. Wir müssen uns verabschieden von Gedanken des Hasses und der Rache, von Verurteilung und übler Nachrede, wenn wir uns verbinden wollen mit dem höheren Funktionskreis von Vertrauen und menschlicher Solidarität. Für die professionellen Mitarbeiter geht es fast immer um die Auflösung tief gespeicherter Knoten von Angst und Wut, die bisher ihrer vollen Kraftentfaltung und ihrem Liebesleben im Weg standen. Liebesbeziehungen sind ein beliebter Tummelplatz für private Engpässe und Konflikte. Zwei Liebende allein können nicht ausbaden, was Generationen vor ihnen im Liebesbereich angerichtet haben; der geschichtliche Zwang zu Verstellung und Selbstunterdrückung hat zu viele Wunden, zu viele Trennungsängste hinterlassen, als daß zwei Menschen allein damit fertigwerden könnten. Es kann aber auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Die Schüler lernen, was es bedeutet, diese Konflikte nicht privat zu sehen, sondern als Teil eines geschichtlichen Themas, das mehr oder weniger uns alle betrifft. Wer seine Konflikte löst, tut diese Arbeit stellvertretend für alle anderen und leistet somit einen Dienst für den Frieden. Das ist eine ganz andere Sicht der sogenannten "persönlichen Probleme". Sie ermöglicht es dem Friedensarbeiter, sich nicht mehr vor den anderen zu verstecken.
Die Arbeit an der Selbstveränderung wird von der Gruppe unterstützt. Die Schule Mirja hat dafür verschiedene Methoden entwickelt. Sie reichen von der "Selbstdarstellung" vor der Gruppe bis zu Heilungstrancen und Rückführungen. Spezielle Plätze und Unterkünfte stellt der politische Ashram allen Friedensarbeitern zur Verfügung, die vorübergehend einen inneren Rückzug brauchen, um mit sich und der Welt ins Reine zu kommen.
Die anstehende Transformation verlangt eine Frequenz der Durchlässigkeit, der Öffnung, der seelischen und körperlichen Reinigung. Geplant ist ein kontinuierliches Trainingslager (mit Turnhalle), wo die geistigen und körperlichen Kräfte im Sinne der Grundausbildung gepflegt und gesteigert werden können. Wir wissen, daß uns die Hilfe aus dem Universum entgegenkommt, wenn wir darauf vorbereitet sind, sie zu empfangen. "Nicht aus eigener Kraft" ist deshalb ein Geleitwort der entstehenden spirituellen Lebenspraxis.


6.
Den geistigen Rahmen unserer Arbeit bildet die POLITISCHE THEORIE. Sie ist die Theorie der Heilungsbiotope und ihrer Verbreitung auf der Erde. Sie beschreibt in theoretischen Begriffen die Entstehung einer neuen planetarischen Kultur. Die von Sheldrake entwickelten Begriffe des "morphogenetischen Feldes" und der "morphischen Resonanz" gelten nicht nur für neue Verhaltensweisen in der Natur, sondern auch für neue Entwicklungen im menschlichen Bereich. Ein neues ökologisches System, ein neues soziales System, ein neues geistiges System verbreitet sich im Sinne der Feldbildung, wenn es übereinstimmt mit einer latenten Entwicklungsrichtung des Ganzen.
Die Welt ist ein Ganzes. Jeder Punkt im Universum ist beseelt und voll vom Ganzen. Wir folgen hier nicht dem physikalischen Weltbild von Newton, sondern dem von Giordano Bruno. Die Kräfte und Ordnungen des Ganzen wirken in allen seinen Teilen. Auch in verzerrten oder zerstückelten Bildern ist das Ganze noch erkennbar (wie in einem holografischen Film). Es kann durch die richtigen Blickeinstellung ("Referenzstrahl") wieder gesehen werden. Was wir sehen, wenn wir unsere Frequenz auf das ungestörte Ganze richten, nennen wir in der Schule Mirja die "urgeschichtliche Utopie", den "Traum" oder die "Entelechie" der Dinge. Die Schüler üben diese Blickeinstellung in ihrer täglichen Betrachtung von Menschen, Tieren, Pflanzen, Mythen, Religionen, Gemeinschaften und im Studium der Geschichte. Auch die Geschichte folgt "dem Ganzen" und trägt den Keim des Ganzen als "urgeschichtliche Utopie" in sich. Es ist jene konkrete Möglichkeit, die Ernst Bloch als "utopische Latenz" oder als das "Nondum" bezeichnet hat. Wir haben - als Auge des Ganzen - die Möglichkeit, diese urgeschichtliche Utopie zu sehen und zu erkennen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, sie an ausgewählten Orten versuchsweise zu realisieren. Solche Orte nennen wir "Heilungsbiotope". Wenn die dort entwickelte Friedensinformation übereinstimmt mit dem Ganzen, entsteht ein unmittelbarer Feldeffekt: sie wirkt dann überall. Sie wirkt im Organismus der Biosphäre wie ein Medikament im Organismus des menschlichen Leibes wirkt. Sie wirkt im Energiesystem der Welt wie eine richtig gesetzte Akupunkturnadel im Energiesystem des Leibes. Dieses "Feldgesetz" wirkt in der Evolution des Lebens auf der Erde, es gilt auch für die Evolution des Menschen und seiner Gemeinschaft, es ist der Grundgedanke der politischen Theorie. Um den Gesamtorganismus der Biosphäre zu heilen, müssen wir nicht alle seine Teile bearbeiten; es genügt ein "Medikament" bzw. eine Eingabe an der richtigen Stelle mit richtigem Inhalt, um die Heilkraft ins Ganze zu bringen. Es geht jetzt darum, Heilungsbiotope aufzubauen, wo in konkreter Praxis eine umfassende Information für Gewaltfreiheit, Koevolution und Vertrauen entwickelt wird. Wenn diese Information einen genügenden Reifegrad erreicht hat und wenn sie übereinstimmt mit den immanenten Bauplänn der Schöpfung, wirkt sie von selbst im Sinne der morphogenetischen Feldbildung: Es werden dann an anderen Orten der Erde ähnliche Heilungsbiotope entstehen. Die global entstehenden Heilungsbiotope sind die Kristallisationskerne der neuen Epoche. Aus dem Netzwerk der Heilungsbiotope organisieren sich die Ordnungsmuster für eine neue planetarische Gemeinschaft aller Lebewesen.
Menschen, die in den Bereichen von Jugendarbeit, Naturschutz, Tierschutz, Menschenrechte etc. beschäftigt sind (auch engagierte Widerstandskämpfer) und für ihr Engagement ein größeres Zukunftsziel suchen, sind herzlich eingeladen, unsere Arbeit kennenzulernen.
Die Schule Mirja ist fest verbunden mit dem in Tamera neu gegründeten "Institut für globale Friedensarbeit" (IGF), mit dem politischen Ashram und mit dem Kunstzentrum (Cafe Tesla), wo im Medium der Kunst neue Wege für Wahrnehmung und Gestaltung erprobt werden. Die Kunst nimmt in unserer Arbeit einen großen Raum ein, weil sie kreative Kräfte freisetzt, die unmittelbar mit dem Heilungsprozeß verbunden sind. Neben der Berufsausbildung in der Schule Mirja gibt es für jüngere Friedensarbeiter die "Jugendschule für globales Lernen" (JGL). Sie koordiniert die Jugendarbeit verschiedener Zentren, organisiert größere Reisen und nimmt Kontakte auf zu Friedensvölkern, zu internationalen Friedensprojekten, zu engagierten Tierschützern und Umweltgruppen. Die Jugendlichen erwerben ein globales Wissen über die Lebenssituation auf unserem Planeten und über die Möglichkeiten eines sinnvollen Einsatzes.
Ich bitte, den weiteren Aufbau der Schule Mirja und des IGF (Institut für globale Friedensarbeit) mit allen materiellen und finanziellen Mitteln zu unterstützen.

Dieter Duhm
Tamera, Februar 2000.