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Es kann auf der Welt keinen Frieden
geben,
solange in der Liebe Krieg ist |
| Über das Buch von
Dieter Duhm: Der unerlöste eros |
Verlag Meiga, ISBN 978-3-9805234-1-7
220 S., Pb., 1998, 15,30 €, 27,50 sFr
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| „Ich
habe dieses Buch geschrieben, weil es unvermeidlich
war. Das Thema der sexuellen Liebe mußte von einer
anderen Seite her gesehen und angegangen werden. Es
ist das Thema unserer Zeit, auch wenn die ausgegebenen
Parolen manchmal anders lauten. Man sagt, die sexuelle
Revolution sei vorbei, sie hat aber im Innersten noch
gar nicht richtig begonnen. An unbewältigter Sehnsucht
nach Sexualität und Liebe leiden und erkranken
heute mehr Menschen als an Umweltgiften.“ (Dieter
Duhm) |
Der Geschlechterkrieg ist das Erbe einer
5000jährigen Geschichtsepoche der Männerherrschaft.
Geherrscht wurde mit Methoden der Gewalt, der Lebenszerstörung
und der sexuellen Unterdrückung. Der Mann hat die Frau
erniedrigt und dabei seine eigene Quelle verloren. Es ist
dieser Schmerz der Geschichte, der in beiden Geschlechtern
wirksam ist und sich heute wiederholt in den verunglückten
Beziehungen, den stillen Resignationen, den psychsomatischen
Erkrankungen, den sexuellen Gewalttaten, den alltäglichen
Kettenreaktionen von Enttäuschung und Rache, von Opfer
und Täter.
Für die Lösung des Themas gibt es zwei Hauptlinien:
erstens die Erkenntnis dieser Zusammenhänge und zweitens
die Herstellung realer Vertrauensräume für eine
wachsende Zahl von Menschen.
Beides zu bewirken ist Inhalt und Ziel dieses Buches. Dieter
Duhm beschreibt mit allem Humor und aller Ernsthaftigkeit,
direkt und mit bewegendem Engagement, wie der unerlöste
Eros wirkt, wie er sich anfühlt im Liebesleben beider
Geschlechter und wie er schließlich erlöst werden
könnte. Die Heilung unserer Liebesbeziehungen ist eine
– wenn nicht gar die – dringendste Friedensaufgabe
unserer Zeit.
Das Buch ist gewidmet all denen, die mit liebesbereitem
Herzen unterwegs sind zu neuen Ufern, den Kindern, Tieren
und allen, die den Schutz und die Parteinahme des erwachsenen
Menschen brauchen.
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INHALT
Vorwort
TEIL I:
UNERLÖSTER EROS - UNERLÖSTE
WELT
Das also war des Pudels Kern
Weltmacht Sexualität
Eros und Apokalypse
Es kann in der Welt keinen Frieden geben, solange in der
Liebe Krieg ist
High-Tech im Krieg, Neandertal in der Liebe
Wir haben mit dem Eros dasselbe gemacht wie mit den Flüssen
Eros und Religion - die Heiligung der Ursprünge
TEIL II:
DAS SEXUELLE THEMA
Wir wollen alle nur das Eine, aber was?
Das Gleichnis vom Berg
Von der Seligkeit der ersten Liebe zur Alltäglichkeit
der Ehe
Freie Liebe und Zweierliebe
Die Macht der anonymen Sexualität
Verlangen nach Hingabe, aber ohne Verachtung
Die gesunde Nymphomanie und der Hunger unserer Zellen
Der Zwang zur Dauerlüge
Falsche Moral und echte Sittlichkeit
Verschwiegene Sehnsucht und versäumtes Leben
Gestern abend in der Kneipe
Mein Freund Martin
Sexualität zwischen Verlangen und Scham
Frauen über 40
Zärtlichkeit und der Raum danach
Der Mythos vom Orgasmus
Impotenz - Energie ohne Ausweg
Die sexuelle Ausweglosigkeit des Organismus
Bin ich eigentlich attraktiv genug? Gedanken zur Frage der
sexuellen Anziehungskraft
Ein Appell an die Frauen
Es geht nicht um Sex?
TEIL III:
URSCHMERZ UND EIFERSUCHT
Der Urschmerz
Was ist Eifersucht und woher kommt sie?
Gehört Asthma zum Atmen?
Der Grundwiderspruch in der Liebe
TEIL IV:
BEFREIUNG DES EROS
Ein Weltprozeß der entstehenden
Liebe
Kultur ohne sexuelle Verdrängung
Erkennende Liebe
Vertrauen ist das Medikament des Leibes
Ein anderer Begriff der Treue
Die Entpsychisierung der Liebe
Plätze schaffen für eine neue Begegnung der Geschlechter
Sexpeace und Greenpeace: Friede der Geschlechter und Friede
mit der Natur
Heimat für die Kinder
Der erlöste Eros
TEXTAUSZUG
High Tech im Krieg, Neanderthal in
der Liebe
(Kapitel aus dem Buch: Der unerlöste Eros von Dieter
Duhm, © Verlag Meiga)
Homo sapiens hat seine Intelligenz bisher
in den Krieg investiert, nicht in die Liebe. Evolutionsforscher
und Gehirnphysiologen haben sich ernsthaft Sorgen gemacht,
ob ein Gehirnfehler vorliegen könnte. Der Mensch, vor
allem der männliche, hat seine Libido so sehr in Waffen,
Panzer, Schlachtschiffe und Raketen gesteckt, daß
er den Krieg einfach geiler findet als den Frieden. Krieg
ist sexy. Alle Abrüstungsverhandlungen scheitern bis
heute an dieser unausrottbaren Tatsache der männlichen
Seele. Die Inbrunst, mit der ordenbeschnallte Männer
gemeinsam ihre militärischen Strategiespiele betreiben,
übertrifft um Größenordnungen die Brunst,
mit der sie ihre Frauen begatten. Der Mann, das steckengebliebene
Kind, findet hier seinen Einsatz, seine Bedeutung und seinen
heiligen Ernst. Er, der die Frau noch nicht kennt, weil
sie sich ihm schon als Mutter entzogen hat, er kennt um
so mehr das Sakrament des Krieges.
Das Kriegsspiel ist vielleicht so alt wie der Mensch, es
entstammt einem archaischen Impuls des Paläolithikums.
Als der Cromagnon-Mensch den Neandertaler überfiel
und ausrottete, mag er etwas Ähnliches empfunden haben
wie die Soldaten Alexanders in Tyros oder wie die amerikanischen
Soldaten in My Lai (Vietnam). Der Mensch wird ergriffen
von einer Vernichtungslust, die gelegentlich alle anderen
Lüste übersteigt. Und als die Kommunisten ihre
Brüder zur Sonne und Freiheit führen wollten,
da endete auch für sie, die sonst an wenig Heiliges
glaubten, ihr Kampflied mit dem Ausruf: »Heilig die
allerletzte Schlacht!« Die Liebe war dem Manne unerreichbar
wie ferne Poesie, der Krieg aber war sein Schwur und sein
Gebet. Der Sex war Notdurft, die Kanone ein Sakrament. Wenn
der Mann in der Geschichte seine Frauen und Kinder so gepflegt
hätte wie sein Schwert und seine Kanonen, dann hätten
wir längst den Garten Eden auf Erden.
Der Mensch hat fernlenkbare Geschosse, elektronische Abwehrraketen
und sich selbst lenkende Lufttorpedos entwickelt, nichts
schien ihm hier unmöglich. Derselbe Mensch schnaubt
vor Eifersucht, wird rot wie ein Pavian oder blaß
wie Schafskäse, wenn es um Liebe geht. Sie planen gemeinsam
den interstellaren Krieg, aber greifen zum Faustkeil, wenn
es um Frauen geht. Während in der Technologie des Krieges
das Vorderhirn zum Einsatz kommt, lebt und denkt der Mensch
in der Liebe aus dem Rückenmark. Während Disziplin
und Weitblick das militärische Spiel bestimmen, ist
in der Liebe noch immer jede Emotion erlaubt. Wir messen
hier, ohne weiter darüber nachzudenken, in allergrößter
Selbstverständlichkeit mit zweierlei Maß, einem
sehr hohen für den Krieg und einem sehr niedrigen für
die Liebe. In der Rüstung liegt die Latte inzwischen
auf 2,50 m; in der Liebe scheitern die meisten immer noch
bei dem Versuch, über 50 cm zu hüpfen. Sie wollen
auch gar nicht hüpfen, weil sie doch gelernt haben,
daß die Liebe etwas fürs Herz sei und nicht Gegenstand
einer geistigen Bemühung. Daß Waffentechnik und
Kriegserfolg mit Forschung zusammenhängen, ist jedermann
klar. Daß Liebe ebenfalls mit Forschung und Erkenntnis
zu tun haben könnte, liegt außerhalb des steinzeitlichen
Bewußtseins. Während sie im Krieg zu den härtesten
Durchhalteproben bereit sind, suchen sie in der Liebe das
grüne Weideglück der Kühe, und während
in den Laboratorien des Krieges Systemzusammenhänge
und Fakten studiert werden, hält man sich in der Liebe
immer noch an die alten Märchenbücher. Man soll
sich hier bloß nichts vormachen. Die progressiv-dynamische
Turnschuhgeneration unserer Zeit schmückt sich mit
Superelektronik und galaktischen Frisuren, im Herzen aber
träumen sie dieselben Märchenträume wie unsere
Omas. Schneller sind die Autos geworden und die Wandlungen
der Mode, aber nicht das wirkliche Nachdenken über
die Fragen der Liebe.
Wenn es heute einen Übergang gibt von der alten Zeit
der Gewalt zu einer neuen Epoche struktureller Gewaltlosigkeit,
dann liegt er in einem fundamentalen Wechsel unserer Prioritäten.
Dieselbe Liebe und Aufmerksamkeit, dieselbe Gewissenhaftigkeit
und Zuverlässigkeit, dieselbe Herzenskraft und Intelligenz,
welche der Mensch bisher entwickelt hat, um sich gegenseitig
zu vernichten, muß er jetzt entwickeln für die
Fragen der sexuellen Liebe. Wir können heute nicht
mehr mit Friedenstauben und frommen Liedern gegen die Allmacht
des Krieges vorgehen; zu groß, zu ehrlich und zu tief
ist heute die latente Faszination an Krieg und Untergang,
und viel zu schwach, zu unentwickelt und zu halbherzig sind
die bislang entwickelten Vorstellungen vom Frieden. Wir
werden erst dann an eine globale Überwindung des Krieges
glauben können, wenn wir eine Sache gefunden haben,
die noch größer und noch faszinierender ist als
Krieg und Kräftemessen - und dies könnte tatsächlich
die Sache der sinnlichen Liebe sein im Sinne einer ehrlichen,
freundschaftlichen, kraftvollen, geilen und solidarischen
Verständigung der Geschlechter, die wirkliche Wiedervereinigung
von Mann und Frau. Nur ein Wille und eine Intelligenz, die
in der Lage sind, die Grundstrukturen zu schaffen für
ein Liebesleben ohne Angst und ohne Gewalt, werden auch
in der Lage sein, die alten martialischen Seelennester gründlich
und für immer auszuheben. Der Mensch, der Raumfähren
ins All geschickt hat, wird auch in der Lage sein, das Thema
des unerlösten Eros zu lösen, wenn er die vollen
Kräfte seines Willens und seiner Intelligenz auf diese
Aufgabe richtet. Er muß wissen, daß die Quellen,
die Energien und Wachstumsvorgänge der Schöpfung
auf eine reale Liebesmöglichkeit gerichtet sind, die
wir verwirklichen können, wenn wir sie wahrnehmen.
Keimungsvorgänge von Pflanzen, Strömungsvorgänge
im Wasser, Lernvorgänge in Kindern zeigen uns etwas
vom Wesen des Lebens und der Liebe, das wir nicht mehr ignorieren
können. Das Leben ist leicht und groß und nicht
linear, es läßt sich in keine Programme pressen.
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