Dr. Dieter Duhm
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Themenauswahl nach Erscheinungsdatum
• 2006:
Zukunft ohne Krieg
Theorie der globalen Heilung
Der heilige gral des mannes ist die frau
Gemälde, Zeichnungen und Texte von Dieter Duhm
• 2005: Die Heilige Matrix
Von der Matrix der Gewalt zur Matrix des Lebens
• 1992: Politische Texte für eine gewaltfreie Erde
• 1991:

Der unerlöste Eros

• 1982
Modell einer Lebensalternative
Das Kulturprojekt Bauhütte
Aufbruch zur neuen Kultur
• 1979:
Synthese der Wissenschaft
Der werdende Mensch
• 1975:
Warenstruktur
und zerstörte Zwischen-menschlichkeit
• 1974: Der Mensch ist anders
• 1973: Revolution ohne Emanzipation ist Konterrevolution
• 1972: Angst im Kapitalismus
Es kann auf der Welt keinen Frieden geben,
solange in der Liebe Krieg ist
Über das Buch von Dieter Duhm: Der unerlöste eros
Verlag Meiga, ISBN 978-3-9805234-1-7
220 S., Pb., 1998, 15,30 €, 27,50 sFr

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„Ich habe dieses Buch geschrieben, weil es unvermeidlich war. Das Thema der sexuellen Liebe mußte von einer anderen Seite her gesehen und angegangen werden. Es ist das Thema unserer Zeit, auch wenn die ausgegebenen Parolen manchmal anders lauten. Man sagt, die sexuelle Revolution sei vorbei, sie hat aber im Innersten noch gar nicht richtig begonnen. An unbewältigter Sehnsucht nach Sexualität und Liebe leiden und erkranken heute mehr Menschen als an Umweltgiften.“ (Dieter Duhm)

Der Geschlechterkrieg ist das Erbe einer 5000jährigen Geschichtsepoche der Männerherrschaft. Geherrscht wurde mit Methoden der Gewalt, der Lebenszerstörung und der sexuellen Unterdrückung. Der Mann hat die Frau erniedrigt und dabei seine eigene Quelle verloren. Es ist dieser Schmerz der Geschichte, der in beiden Geschlechtern wirksam ist und sich heute wiederholt in den verunglückten Beziehungen, den stillen Resignationen, den psychsomatischen Erkrankungen, den sexuellen Gewalttaten, den alltäglichen Kettenreaktionen von Enttäuschung und Rache, von Opfer und Täter.
Für die Lösung des Themas gibt es zwei Hauptlinien: erstens die Erkenntnis dieser Zusammenhänge und zweitens die Herstellung realer Vertrauensräume für eine wachsende Zahl von Menschen.
Beides zu bewirken ist Inhalt und Ziel dieses Buches. Dieter Duhm beschreibt mit allem Humor und aller Ernsthaftigkeit, direkt und mit bewegendem Engagement, wie der unerlöste Eros wirkt, wie er sich anfühlt im Liebesleben beider Geschlechter und wie er schließlich erlöst werden könnte. Die Heilung unserer Liebesbeziehungen ist eine – wenn nicht gar die – dringendste Friedensaufgabe unserer Zeit.
Das Buch ist gewidmet all denen, die mit liebesbereitem Herzen unterwegs sind zu neuen Ufern, den Kindern, Tieren und allen, die den Schutz und die Parteinahme des erwachsenen Menschen brauchen.

INHALT

Vorwort

TEIL I:
UNERLÖSTER EROS - UNERLÖSTE WELT
Das also war des Pudels Kern
Weltmacht Sexualität
Eros und Apokalypse
Es kann in der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist
High-Tech im Krieg, Neandertal in der Liebe
Wir haben mit dem Eros dasselbe gemacht wie mit den Flüssen
Eros und Religion - die Heiligung der Ursprünge

TEIL II:
DAS SEXUELLE THEMA
Wir wollen alle nur das Eine, aber was?
Das Gleichnis vom Berg
Von der Seligkeit der ersten Liebe zur Alltäglichkeit der Ehe
Freie Liebe und Zweierliebe
Die Macht der anonymen Sexualität
Verlangen nach Hingabe, aber ohne Verachtung
Die gesunde Nymphomanie und der Hunger unserer Zellen
Der Zwang zur Dauerlüge
Falsche Moral und echte Sittlichkeit
Verschwiegene Sehnsucht und versäumtes Leben
Gestern abend in der Kneipe
Mein Freund Martin
Sexualität zwischen Verlangen und Scham
Frauen über 40
Zärtlichkeit und der Raum danach
Der Mythos vom Orgasmus
Impotenz - Energie ohne Ausweg
Die sexuelle Ausweglosigkeit des Organismus
Bin ich eigentlich attraktiv genug? Gedanken zur Frage der sexuellen Anziehungskraft
Ein Appell an die Frauen
Es geht nicht um Sex?

TEIL III:
URSCHMERZ UND EIFERSUCHT
Der Urschmerz
Was ist Eifersucht und woher kommt sie?
Gehört Asthma zum Atmen?
Der Grundwiderspruch in der Liebe

TEIL IV:
BEFREIUNG DES EROS
Ein Weltprozeß der entstehenden Liebe
Kultur ohne sexuelle Verdrängung
Erkennende Liebe
Vertrauen ist das Medikament des Leibes
Ein anderer Begriff der Treue
Die Entpsychisierung der Liebe
Plätze schaffen für eine neue Begegnung der Geschlechter
Sexpeace und Greenpeace: Friede der Geschlechter und Friede mit der Natur
Heimat für die Kinder
Der erlöste Eros


TEXTAUSZUG

High Tech im Krieg, Neanderthal in der Liebe
(Kapitel aus dem Buch: Der unerlöste Eros von Dieter Duhm, © Verlag Meiga)

Homo sapiens hat seine Intelligenz bisher in den Krieg investiert, nicht in die Liebe. Evolutionsforscher und Gehirnphysiologen haben sich ernsthaft Sorgen gemacht, ob ein Gehirnfehler vorliegen könnte. Der Mensch, vor allem der männliche, hat seine Libido so sehr in Waffen, Panzer, Schlachtschiffe und Raketen gesteckt, daß er den Krieg einfach geiler findet als den Frieden. Krieg ist sexy. Alle Abrüstungsverhandlungen scheitern bis heute an dieser unausrottbaren Tatsache der männlichen Seele. Die Inbrunst, mit der ordenbeschnallte Männer gemeinsam ihre militärischen Strategiespiele betreiben, übertrifft um Größenordnungen die Brunst, mit der sie ihre Frauen begatten. Der Mann, das steckengebliebene Kind, findet hier seinen Einsatz, seine Bedeutung und seinen heiligen Ernst. Er, der die Frau noch nicht kennt, weil sie sich ihm schon als Mutter entzogen hat, er kennt um so mehr das Sakrament des Krieges.

Das Kriegsspiel ist vielleicht so alt wie der Mensch, es entstammt einem archaischen Impuls des Paläolithikums. Als der Cromagnon-Mensch den Neandertaler überfiel und ausrottete, mag er etwas Ähnliches empfunden haben wie die Soldaten Alexanders in Tyros oder wie die amerikanischen Soldaten in My Lai (Vietnam). Der Mensch wird ergriffen von einer Vernichtungslust, die gelegentlich alle anderen Lüste übersteigt. Und als die Kommunisten ihre Brüder zur Sonne und Freiheit führen wollten, da endete auch für sie, die sonst an wenig Heiliges glaubten, ihr Kampflied mit dem Ausruf: »Heilig die allerletzte Schlacht!« Die Liebe war dem Manne unerreichbar wie ferne Poesie, der Krieg aber war sein Schwur und sein Gebet. Der Sex war Notdurft, die Kanone ein Sakrament. Wenn der Mann in der Geschichte seine Frauen und Kinder so gepflegt hätte wie sein Schwert und seine Kanonen, dann hätten wir längst den Garten Eden auf Erden.

Der Mensch hat fernlenkbare Geschosse, elektronische Abwehrraketen und sich selbst lenkende Lufttorpedos entwickelt, nichts schien ihm hier unmöglich. Derselbe Mensch schnaubt vor Eifersucht, wird rot wie ein Pavian oder blaß wie Schafskäse, wenn es um Liebe geht. Sie planen gemeinsam den interstellaren Krieg, aber greifen zum Faustkeil, wenn es um Frauen geht. Während in der Technologie des Krieges das Vorderhirn zum Einsatz kommt, lebt und denkt der Mensch in der Liebe aus dem Rückenmark. Während Disziplin und Weitblick das militärische Spiel bestimmen, ist in der Liebe noch immer jede Emotion erlaubt. Wir messen hier, ohne weiter darüber nachzudenken, in allergrößter Selbstverständlichkeit mit zweierlei Maß, einem sehr hohen für den Krieg und einem sehr niedrigen für die Liebe. In der Rüstung liegt die Latte inzwischen auf 2,50 m; in der Liebe scheitern die meisten immer noch bei dem Versuch, über 50 cm zu hüpfen. Sie wollen auch gar nicht hüpfen, weil sie doch gelernt haben, daß die Liebe etwas fürs Herz sei und nicht Gegenstand einer geistigen Bemühung. Daß Waffentechnik und Kriegserfolg mit Forschung zusammenhängen, ist jedermann klar. Daß Liebe ebenfalls mit Forschung und Erkenntnis zu tun haben könnte, liegt außerhalb des steinzeitlichen Bewußtseins. Während sie im Krieg zu den härtesten Durchhalteproben bereit sind, suchen sie in der Liebe das grüne Weideglück der Kühe, und während in den Laboratorien des Krieges Systemzusammenhänge und Fakten studiert werden, hält man sich in der Liebe immer noch an die alten Märchenbücher. Man soll sich hier bloß nichts vormachen. Die progressiv-dynamische Turnschuhgeneration unserer Zeit schmückt sich mit Superelektronik und galaktischen Frisuren, im Herzen aber träumen sie dieselben Märchenträume wie unsere Omas. Schneller sind die Autos geworden und die Wandlungen der Mode, aber nicht das wirkliche Nachdenken über die Fragen der Liebe.

Wenn es heute einen Übergang gibt von der alten Zeit der Gewalt zu einer neuen Epoche struktureller Gewaltlosigkeit, dann liegt er in einem fundamentalen Wechsel unserer Prioritäten. Dieselbe Liebe und Aufmerksamkeit, dieselbe Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit, dieselbe Herzenskraft und Intelligenz, welche der Mensch bisher entwickelt hat, um sich gegenseitig zu vernichten, muß er jetzt entwickeln für die Fragen der sexuellen Liebe. Wir können heute nicht mehr mit Friedenstauben und frommen Liedern gegen die Allmacht des Krieges vorgehen; zu groß, zu ehrlich und zu tief ist heute die latente Faszination an Krieg und Untergang, und viel zu schwach, zu unentwickelt und zu halbherzig sind die bislang entwickelten Vorstellungen vom Frieden. Wir werden erst dann an eine globale Überwindung des Krieges glauben können, wenn wir eine Sache gefunden haben, die noch größer und noch faszinierender ist als Krieg und Kräftemessen - und dies könnte tatsächlich die Sache der sinnlichen Liebe sein im Sinne einer ehrlichen, freundschaftlichen, kraftvollen, geilen und solidarischen Verständigung der Geschlechter, die wirkliche Wiedervereinigung von Mann und Frau. Nur ein Wille und eine Intelligenz, die in der Lage sind, die Grundstrukturen zu schaffen für ein Liebesleben ohne Angst und ohne Gewalt, werden auch in der Lage sein, die alten martialischen Seelennester gründlich und für immer auszuheben. Der Mensch, der Raumfähren ins All geschickt hat, wird auch in der Lage sein, das Thema des unerlösten Eros zu lösen, wenn er die vollen Kräfte seines Willens und seiner Intelligenz auf diese Aufgabe richtet. Er muß wissen, daß die Quellen, die Energien und Wachstumsvorgänge der Schöpfung auf eine reale Liebesmöglichkeit gerichtet sind, die wir verwirklichen können, wenn wir sie wahrnehmen. Keimungsvorgänge von Pflanzen, Strömungsvorgänge im Wasser, Lernvorgänge in Kindern zeigen uns etwas vom Wesen des Lebens und der Liebe, das wir nicht mehr ignorieren können. Das Leben ist leicht und groß und nicht linear, es läßt sich in keine Programme pressen.