Dr. Dieter Duhm
   Schriften
 

Themenauswahl nach Erscheinungsdatum
• 2008: GLOBALISIERUNG DES FRIEDENS UND HEILUNG DER ERDE
• 2007: AUFBAU FUTUROLOGISCHER ZENTREN
  DEN GLOBALEN KRIEG BEENDEN
  Die 7 Thesen
• 2006: Stellungsnahme zur Lage in NahOst
  Gibt es eine realistische Chance auf einen weltweiten Frieden?
  Theorie der globalen Heilung
  Aufruf zur Kriegsdienst-
verweigerung
• 2005: Die Kriegsgesellschaft und ihre Transformation
• 2004: Das Experiment Monte Cerro
Projekterklärung 1

  Zum Tod von Yassir Arafat
• 2003: Revolution für einen globalen Frieden
Stellungnahme zum Krieg in unserer Zeit.
  Frieden für Palästina
• 2002: Es reicht
Zuerst BSE, jetzt Maul-und Klauenseuche

  Das Projekt der Friedensdörfer
• 2001: BSE-Der Wahnsinn des  Menschen
Terror und Liebe
Eine Nachbesinnung zu dem Anschlag auf die USA

Das Entsetzen in Worte fassen
Gedanken zur aktuellen deutschen Politik
• 1999: Tamera-Manifest
• 1997: Zehn Punkte für Gemeinschaften der Zukunft
• 1992: 12 Thesen für eine gewaltfreie Erde
• 1988: Gewaltlosigkeit
Versuch einer Antwort
• 1986: Die neue Schöpfung
• 1968: Mannheimer Papier

Terror und Liebe
Eine Nachbesinnung zu dem Anschlag auf die USA

Nach dem Entsetzen, nach der Angst und der Trauer kamen die Gedanken, die Informationen, die Schlußfolgerungen. Man hat mich anfangs gefragt, ob ich es für möglich halte, daß die Amerikaner selbst den Anschlag inszeniert hätten. Ich habe gesagt, daß ich diesen Gedanken nicht denken möchte. Dann aber mehrten sich Indizien, die doch in diese Richtung wiesen. Nach den Meldungen, die wir durch Internet und glaubwürdige Personen erhalten haben, sieht es so aus, als ob mehrere Personengruppen in und außerhalb der USA, auch in Regierungskreisen, vorher von dem geplanten Anschlag wußten und an seiner Vorbereitung beteiligt waren. Die Selbstmordattentäter hätten in diesem Fall nur als ausführende Organe gedient. Wir waren nicht ganz unvorbereitet auf diese Möglichkeit, da auch an der Ermordung des früheren Präsidenten John F. Kennedy erwiesenermaßen Geheimdienste und hohe Regierungsbeamte beteiligt waren. Wie mag sich jetzt ein Joschka Fischer fühlen in seiner Haut, der infolge seiner früheren politischen Ausbildung ahnen dürfte, welche Spiele heute gespielt werden? Wie mag sich eine Renate Künast fühlen, die bei den irrsinnigen Maßnahmen gegen Rinderwahn und MKS schon gemerkt haben dürfte, daß diese Dinge von anderen Mächten inszeniert waren? Was werden die Medien unternehmen, um alle Verdachtsmomente zu verdrängen? Es gibt eine wachsende Friedensbewegung, die nicht mehr bereit ist, der öffentlichen Propaganda in den Medien zu glauben.

Bevor ich auf das eigentlich Thema komme, möchte ich drei Dinge sagen zur politischen Einschätzung. Erstens: Es war ein Anschlag auf die Machtsymbole der USA. Indem diese Symbole zerstört werden konnten, ist die Macht schwächer geworden, egal welche Absichten dahinterstanden. Zweitens: Es waren Symbole einer falschen Macht, die durch ihre globale Wirtschaftspolitik unsäglichen Schmerz in der Welt verbreitet hat. Wir haben getrauert um die Opfer und ihre Angehörigen. Wer aber trauert um die alltäglichen Opfer in der Dritten Welt? Es gibt kein Land auf der Erde, das weltweit so viele Völker ausbeutet, so viele Menschenleben auslöscht, so viel Natur zerstört wie die imperiale Wirtschaftspolitik und Lebensweise der USA. Insofern war der Anschlag von Seiten der Attentäter auch eine Tat der Verzweiflung. Drittens: Die globale Friedensbewegung wird sich auf die Grundlagen eines wirklichen Friedens besinnen und viele neue Anhänger gewinnen. Der 11. September diente, wenn man so will, einem „Fundamentalismus des Friedens“, der jenseits aller ideologischen Muster steht. Es entsteht eine neue Kraft, die weit mehr ist als bloße Reaktion auf das Böse. Auf vielen Autos finden wir jetzt schon den Aufkleber: Nicht Rache, sondern Besinnung. Es gilt für uns, für die USA, für Palästina. Könnte es nicht auch für alle unsere enttäuschten Liebesbeziehungen gelten?

Ich habe gemerkt, daß ich nicht mehr hassen kann. Je mehr Grauenhaftes auf der Erde geschah, desto mehr erlosch der Haß. Je mehr Ungerechtigkeit und Lüge gegen mich selbst gerichtet war, desto weniger konnte ich an Rache denken. Ich hätte mich sonst manchmal auch an mir selber rächen müssen. Wir erleben im Äußeren die Eruptionen eines Systems, welches im Inneren auf Gewalt und Angst beruht. Dieses System ist auch in uns selbst. Friedenswille ist nicht mehr nur ein Aufschrei gegen äußere Verhältnisse, sondern Friedenswille ist die entschlossene Veränderung unserer eigenen Lebensverhältnisse.
Ich glaube an das ursprünglich Gute im Menschen. Ich glaube an die göttliche Grundnatur des Menschen wie aller anderen Wesen. Ich glaube auch - man verzeihe mir, wenn es wie Hohn klingt - ich glaube mehr denn je an die Macht der Liebe. Ich glaube an nichts mehr als an die Macht der Liebe, wenn es um die Frage geht, ob Mensch und Erde noch zu retten sind. Das sind keine Worte mehr, keine Lippenbekenntnisse, sondern Buchstaben, die das Leben in mich so lange hineinbuchstabiert hat, bis ich sie wieder lesen und verstehen konnte. Im Eifer einer über dreißigjährigen politischen Projektarbeit hatte ich diese Wahrheit fast vergessen; jetzt kommt sie wieder. Und sicher nicht nur bei mir. Ich schreibe diese Zeilen in der Gewißheit, daß wir uns in einem wachsenden Lichtnetz von Menschen befinden, die alle, aufgerüttelt durch die Katastrophe, bereit sind, ihr Letztes zu geben für den Aufbau einer neuen Welt des wirklichen Friedens auf der Erde.
Es gibt nicht mehr die Schuldigen und die Unschuldigen im alten Sinn. Wir müssen nicht die Schuldigen suchen und beseitigen, sondern die Ursachen. Die Ursachen liegen in einem weltweiten System von Ausbeutung und Barbarei, getragen von Wirtschaftsverbänden, Regierungen, Militärs und Geheimdiensten. Sie liegen in einer falschen Wirtschaftsordnung, welche auf Konsum, Naturzerstörung und Ausbeutung der armen Welt basiert. Sie liegen in einem Lebenssystem von Beruf, Ehe, Karriere und Konsum, welches dieser Ausbeutung zugrunde liegt und an welchem wir alle mehr oder weniger teilhaben. Sie liegen auch in den Schlachthöfen und den Tierlaboratorien, mit denen wir täglich den Schmerz der Welt vergrößern.
Es hat keinen Sinn mehr, die Ursachen nur im Äußeren zu suchen, sie liegen längst in unserem Inneren. Das Unglück in unseren Liebesbeziehungen, millionenfach reproduziert, kann keine heilsame Politik hervorbringen. Es kann in der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Was die Täter der Welt vollbringen, ist die Folge eines globalen „Liebeskummers“ von Verlassenheit, Betrogenheit und Einsamkeit. Sie selbst sind ja nicht nur Täter, sondern auch Opfer eines Systems, das ihnen nie die Gewißheit der Liebe und die Ruhe des Vertrauens geben konnte. Was Milosovic in Jugoslawien getan hat, wäre nicht wirklich verständlich, wenn wir nicht diese Information hätten: Seine beiden Eltern haben Selbstmord begangen, als er noch ein Kind war. Ist es nicht berechtigt, auch an ihn die alte Mignon-Frage zu stellen: Was hat man dir, du armes Kind getan?
Es gilt in der Welt ein holografisches Gesetz: Was wir im Äußeren erleben, ist die Hinausprojektion unserer eigenen inneren Vorgänge. Die politische Bühne unserer Zeit ist ein Spiegelbild der inneren menschlichen Bühne unserer gesamten Zivilisation. Es kann im Äußeren keinen Frieden geben, solange wir im Inneren mit Feindbildern und Haßgedanken herumlaufen. Das gilt in der Politik ebenso wie in der Liebe. Dies ist die Botschaft dieser Tage. Sie verlangt viel von uns, aber sind wir nicht zu vielem bereit?

Die Befreiung, um die es heute geht, ist nicht mehr die Befreiung von äußeren Feinden, denn wir haben keine äußeren Feinde mehr. Wir stehen heute vor der Befreiung von jenen inneren Nöten, die uns die Fähigkeit genommen haben, funktionierende Gemeinschaften aufzubauen in dem Sinne „Einer trage des anderen Last“. Nicht an der Überlegenheit eines äußeren Feindes, sondern an der Unfähigkeit des Zusammenlebens ist die Neue Linke vor 30 Jahren gescheitert. Wir waren fähig, miteinander gegen den Staat zu kämpfen, aber wir waren nicht fähig, miteinander zu leben. Wir wußten, wogegen, aber nicht wofür wir eintreten sollten. Wir hatten den Eifer und den Kampf, aber wir kannten nicht die Grundlagen für Liebe und Gemeinschaft.
Große Friedensarbeiter haben im vorigen Jahrhundert gegen große Unterdrückungen gekämpft: Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Jacques Lusseyran, Nelson Mandela,... Große Frauen haben die Macht des Friedens in den Alltag der Menschen getragen: Ruth Pfau, Aung San Sui Kyi, Dhyani Ywahoo, Gloria Cuartas... In Fortsetzung ihrer Arbeit und teilweise in aktueller Kooperation mit ihnen müssen wir jetzt den nächsten Schritt tun: Das ist die Einleitung einer Evolution, in welcher wir fähig werden, angstfrei miteinander zu leben in Freude und gemeinsamer Arbeit für den Garten der Erde. Liebe ist die Wiedereinbettung der menschlichen Gemeinschaft in die große kosmische Familie, der wir alle angehören.

Die Liebe wächst nicht von allein, wenn sie umstellt ist von Argwohn und Mißtrauen. Das Herz braucht unsere Unterstützung, um sich öffnen zu können. Wir müssen um unsere Herzen herum neue mitmenschliche, neue soziale und ökologische Strukturen bauen, damit Liebe und Solidarität Dauer erhalten. Die Erde braucht „Stützpunkte der Liebe“, in denen sich die neuen sozialen, sexuellen, ökonomischen und ökologischen Strukturen entwickeln können. Vor vierzig Jahren bestand das Hauptthema der Forschung darin, technologische Strukturen für die Raumfahrt zu schaffen, heute besteht das Hauptthema darin, dauerhafte gesellschaftliche Strukturen für die Liebe zu schaffen, Strukturen der Kooperation mit Natur und Schöpfung. Das ist ein neuer Gedanke. Wir brauchen ein neues gesellschaftliches Fundament des Friedens. Damit wir in uns, in unseren Liebespartnern, in unseren Mitmenschen und in allen Mitgeschöpfen das Göttliche wieder sehen und lieben können, brauchen wir ein neues gesellschaftliches Gefäß, welches die heilige Matrix des Lebens und der Liebe in sich aufnehmen und verwirklichen kann. Wir brauchen „Gewächshäuser des Vertrauens“, wo die alten Wunden heilen können. Wir brauchen Gemeinschaften und Nachbarschaften, wo Kinder ihren Eltern wieder glauben können und wo die Liebe, mit der sich Menschen begegnen, nie mehr betrogen wird. Die Liebe darf nicht mehr für immer verbunden sein mit Trennungsschmerz und Verlustangst. Haben wir gesehen, wie die Seelen und die Leiber aufatmen, wenn wie lieben dürfen ohne Angst? Wieviel pharmazeutische Industrie, wieviele Tierlabors, wieviele Krankenhäuser werden uns erspart bleiben, wenn unsere Zellen und Organe ein großes Bad nehmen dürfen im Strom der Hingabe und der Liebe! Wir brauchen Sanktuarien, wo die Heilungskräfte stärker sind als die erlittenen Schmerzen und wo die Lebensfreude größer ist als alle angestaute Wut. Wir wollen daran arbeiten, daß in der großen Menschengemeinschaft Netzwerke des Vertrauens entstehen, die stärker werden als die Netzwerke der Gewalt.

Wir wollen für immer aufhören mit dem unsinnigen Kampf gegen die Natur und ihre Wesen einschließlich der sogenannten Schädlinge. Wir brauchen Friedensgärten statt chemischer Monokulturen. Natur und Mensch sind zwei Aspekte desselben Lebens, wir sind alle Aspekte des Einen Seins und des Einen Bewußtseins. Wir sind angelegt auf Kontakt und Kommunikation mit allen Mitgeschöpfen... Sie begegnen uns in vorbehaltloser Freundschaft, wenn wir ihnen mit Behutsamkeit und Liebe entgegenkommen.

Wir brauchen ein befreiendes Konzept der sinnlichen Liebe, damit wir wieder fähig werden zu der großen Freude und dem großen Dank für dieses wunderbare Geschenk an den Menschen. Wir brauchen für unsere sexuellen Kräfte eine neue, bejahende, integrierende Ordnung, welche die Freude unterstützt und nicht das schlechte Gewissen. Wir brauchen den Schutz und die Pflege der erotischen Freude, weil wir ahnen, daß Lust und Liebe Geschwister sind. Wir brauchen eine Ordnung der Geschlechter, wo man nicht mehr betonen muß, daß Frauen gleichberechtigt sind, weil es selbstverständlich ist und weil niemand mehr auf den Gedanken kommt, daß es nicht so sein könnte. Eine neue Kulturbildung entsteht auch aus einem neuen Verhältnis der Geschlechter. Wir brauchen eine Kulturbildung, die aus alten weiblichen Quellen der archaischen Hochkulturen schöpft und dennoch Wissenschaft und Technik nicht einfach über Bord wirft. Es ist göttlich, die Mysterien alter Steinkreise zu entschlüsseln, und es ist ebenso göttlich, die holografischen Strukturen unserer Welt zu entdecken. Wir brauchen die Wiederverbindung mit der göttlichen Quelle, die uns auch in Notzeiten mit Leben und Freude füllt, wenn äußere Befriedigungen nicht mehr möglich sind. Wir brauchen die tiefe Ruhe in der Heiligung und Segnung unseres Lebens. Wir brauchen diese Dinge für eine neue Kooperation mit der Schöpfung. Dann arbeiten wir nicht mehr nur aus eigener Kraft, denn das Universum, das in uns allen ist, ist unser Kooperationspartner geworden.

Von der Wurzel her sollen die Bedingungen einer humanen Kultur verstanden und verwirklicht werden. Wir alle wurzeln in dem großen Einen Sein, das allen Wesen gemeinsam ist. So laßt uns Lebensformen finden, wo alle Fragmente dieses Einen Seins - Mann und Frau, Mensch und Natur, Materie und Geist, Diesseits und Jenseits, Kunst und Wissenschaft, Religion und Eros - wieder zusammenkommen. Dies ist das große Projekt in unserer Zeit, dem wir uns verschrieben haben. Es ist nicht das Projekt kleiner Gruppen, sondern ein Projekt der Menschheit. Wir alle sind dabei, eine neue Stufe, eine neue Oktave des Lebens zu betreten. Die großen Systeme werden so lange zerfallen, bis sie auf jene Lebenseinheiten gestoßen sind, die nicht zerfallen können, weil sich in ihnen die neue Kraft verbreitet. Durch alle Irrtümer und Fehler hindurch, die wir dabei unvermeidlich machen, werden wir diesen Weg nicht mehr verlassen können. Es ist unser Dienst an der Welt. Gott schenke uns die Weisheit und die Ruhe, um die heilige Matrix in allen Dingen zu erkennen und ihr zu folgen. Ich bitte alle helfenden Kräfte um Unterstützung und Mitarbeit. Ich danke allen Heilungsarbeitern dieser Erde. Möge der Zusammenbruch der alten Machtsymbole den Weg öffnen für die neuen autarken Systeme des Friedens.

Im Namen der Wärme für alles, was Haut und Fell hat.

Dieter Duhm
IGF Tamera, 22.9.2001