BSE - der Wahnsinn des
Menschen
Wenn ich ein Rind wäre,
würde ich auch wahnsinnig. Siebentausend Jahre lang
haben sie den Menschen gedient - ob als Haustier, als Symbol
für Fülle und Geduld oder als Heilige Kühe
- und jetzt sollen viele Millionen von ihnen in Europa geschlachtet
und verbrannt werden.
Was für ein Wahnsinn! Und das nicht etwa, weil sie
krank wären, sondern weil der Rindfleischmarkt zusammengebrochen
ist.
Was der Mensch den Tieren antut, ist nicht mehr zu ertragen!
Hat schon einmal jemand gesehen, mit welcher Ausgelassenheit
Kühe im Frühjahr auf die Weide rennen? Die Kälber
heutiger Mastbetriebe aber rennen nie mehr auf eine Weide.
Vom Moment der künstlichen Befruchtung an über
das Entfernen von der Mutter und die Fütterung ihrer
vegetarischen Mägen mit Tiermehl bis zur Maschinenschlachtung
und der Entsorgung ihrer Knochen werden Mastrinder und Milchkühe
als Sache betrachtet, als Maschine zur Produktion von Lebensmitteln.
Das sind sie aber nicht.
Kein Lebewesen ist eine Sache.
BSE hat in Deutschland mehr öffentliche Reaktionen
hervorgerufen als die gesamte Tierschutzbewegung - allerdings
ausnahmslos Panik- und Kurzschlußreaktionen.
Was der Mensch anderen
Wesen an Gewalt und Rücksichtslosigkeit antut, das
fällt als Angst auf ihn selbst zurück.
BSE ist die Rote Karte
der Tierwelt an die Menschen; und ihre Botschaft heißt:
Tiere haben eine Seele. Sie empfinden Schmerz, besitzen
Neugier, Kontaktbedürfnis und soziales Verhalten, sie
pflegen ihre Jungen und können auf ihrer Ebene denken
und kommunizieren.
BSE besagt: Wahrt das Recht jedes beseelten Wesens, sein
Recht auf freie Bewegung des Körpers, auf freie Wahl
des Futters, auf Entfaltung seiner Neugier, auf Kontakt!
Was ist mit uns Menschenkindern geschehen, daß wir
in der Lage sind, über ihr Leid hinweg zu sehen, als
sei es nicht da, und in aller Ruhe unser Steak oder unseren
Joghurt zu genießen? Was ist passiert mit unseren
eigenen Seelen, daß in Debatten nur vom Nutzwert die
Rede ist und niemals davon, was der sanfte Blick eines Kuhauges
in uns auslöst? Wem haben wir unsere politische Vertretung
abgegeben, daß die Wahrnehmung des Herzens als unpolitisch
gilt?
Es gibt keine wichtigere
politische Handlung, als auf den Schrei eines gequälten
Wesens zu hören und ihm zu helfen.
Was der Mensch Tieren
antut, das tut er schließlich auch immer Menschen
an. Die Folterkeller und Konzentrationslager des Planeten
zeugen davon. Die Kette von Angst und Gewalt wird erst abreißen,
wenn wir eine grundlegend neue Ethik gegenüber dem
Leben entwickeln. Leo Tolstoi sagte: "Solange es Schlachthäuser
gibt, wird es auch Schlachtfelder geben."
Welche Handlungen können eine Veränderung herbeiführen?
Wir kamen auf folgende Bilder und Vorschläge. Teilweise
sind sie schon Realität, teilweise können sie
es schnell werden.
Helft mit!
- Immer mehr Menschen
ernähren sich anders. Köche entwickeln
immer bessere vegetarische und vegane Rezepte. Es ist
in, vegan zu essen. Engagierte Popsänger gründen
die Love-Food-Bewegung. Wer sich nicht oder noch nicht
für eine vegetarische Lebensweise entscheiden kann
oder will, schränkt seinen Fleischkonsum ein und
kauft dort, wo Tiere nicht gequält werden.
- Viele Landwirte
treten aus der industrialisierten Landwirtschaft und
Fleischproduktion aus und erarbeiten tiergerechte Alternativen.
Sie tun sich zusammen zu einer Bauerndemonstration.
Auf ihren Traktoren stehen Schilder mit der Aufschrift:
Schluß mit der Tierquälerei!
- Politische Aktionen
gegen Massentierhaltung weiten sich aus zu einer
Massenbewegung für Tier- und Menschenrechte, einer
Bewegung für das Leben. Fahrer von Tiertransporten
werden an den Rastplätzen der Autobahn immer wieder
angesprochen und freundlich, aber bestimmt auf die Situation
der Tiere aufmerksam gemacht. Restaurant-Besucher hinterlassen
auf Speisekarten Botschaften mit Aufklebern,z.B.:"Tiere
sind unsere Freunde, und unsere Freunde essen wir nicht."
- In den Medien wird
über Orte berichtet, wo das Vertrauen zwischen
Menschen und Tieren exemplarisch wieder hergestellt
wird. Überall, wo das geschieht, geschieht
ein Stück Heilung.
Helft mit! Zieht die
Konsequenzen, die Euch schon möglich sind. Gebt diese
Information weiter.
Im Namen für alles, was
Haut und Fell hat, im Namen der Tiere und der Kinder.
Dieter Duhm, 2001
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