Frieden für Palästina
Der Plan der Friedensdörfer
In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker.
Wenn hier Friede gelingt, dann wird etwas Neues für
die Menschheit gelungen sein. Denn in diesem Krieg offenbart
sich ein Konfliktpotential der ganzen Menschheit. Ein Friede
in Nahost hätte deshalb nicht nur regionale, sondern
planetarische Bedeutung. Ich möchte im Folgenden einige
Aspekte beleuchten und zur Mithilfe aufrufen.
In Israel rekrutiert sich
eine neue Friedensbewegung. Trotz schwerer Sanktionen verweigert
eine wachsende Anzahl von Soldaten den Wehrdienst oder widersetzt
sich den mörderischen Befehlen in den besetzten Gebieten.
In ihrer öffentlichen Erklärung heißt es:
„Wir werden nicht weiterhin jenseits der „grünen
Linie“ kämpfen für die Ziele der Herrschaft,
der Vertreibung, des Aushungerns und der Erniedrigung eines
ganzen Volkes“. Hunderte von Soldaten haben sich der
Erklärung angeschlossen. Wir danken ihnen für
ihren Mut. Hier wird ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Mögen
ihm viele weitere folgen.
Wir können nicht mehr
mit ansehen, welche Verletzungen des Völkerrechts und
der Menschenrechte von den Israels an ihren Nachbarn begangen
werden. Israel behandelt die Palästinenser, wie es
die Amerikaner mit den Indianern gemacht haben, als sie
deren Kontinent eroberten. Es ist nicht angenehm, ein solches
einseitiges Urteil auszusprechen, aber in diesem Fall muß
es getan werden, damit Wahrheit und Menschlichkeit überhaupt
wieder eine Chance erhalten. Wir wissen, daß viele
Israelis über die wirklichen Ereignisse kaum informiert
sind, weil sie keine wahrheitsgemäßen Nachrichten
erhalten. Die Intifada der Palästinenser ist nicht
die Ursache, sondern die Reaktion auf eine unbeschreibliche
Serie von Menschenrechtsverletzungen durch Israel. Vom Abgraben
des Grundwassers über das Abhacken von Olivenhainen
bis zur Zerstörung palästinensischer Wohnhäuser
durch israelische Bulldozer zieht sich eine grelle Linie
von Demütigung und Gewalt. Man muß diese Dinge
wissen, um den ohnmächtigen Haß des palästinensischen
Volkes zu verstehen. In den israelischen Maßnahmen
spiegelt sich das fatale Selbstgefühl einer „Herrenrasse“.
Es ist, als müßte ein Teil des jüdischen
Volkes jetzt jene Greueltaten weitergeben, die ihm selbst
jahrhundertelang zugefügt worden sind. Hier herrscht
eine entsetzliche Logik der Geschichte - und sie wird so
lange weiterherrschen, bis die wirklichen Friedenskräfte
auf neuen Wegen eine Lösung und Versöhnung finden.
Auch die Palästinenser müssen zu dieser Lösung
beitragen. Es hat keinen Sinn mehr, die Ehre mit Gewalt
zu verteidigen. Die Gewaltspirale kann nicht durch Gewalt
gestoppt werden, die Selbstmorde sind heroisch, aber kein
Mittel zum Frieden. Für den Frieden brauchen wir die
direkte, sichtbare, menschliche Versöhnung auf beiden
Seiten. Die Jugend beider Seiten braucht neue Lieder, neue
Formen, neue Konzepte der Begegnung und des Zusammenlebens.
In diesem Zusammenhang steht der Gedanke von Friedensdörfern.
Israel hat eine schwere Geschichte. Jerusalem ist seit 3000
Jahren ein Knotenpunkt religiöser und politischer Ereignisse.
Das jüdische Volk war auf ganz besondere Weise mit
seinem Gott und seinem Land verbunden. Es gibt geistige
Hintergründe der zionistischen Bewegung, die wir nicht
ignorieren können. Es war schwierig für das jüdische
Volk, nach jahrhundertelanger Verfolgung und Zerstreuung
eine neue Heimat zu finden. Die Gründungsgeschichte
des Staates Israel war notgedrungen eine Geschichte des
Schmerzes auf beiden Seiten.
Aber was jetzt geschieht, ist nicht mehr nur die Folge dieses
Schmerzes. Hier wird eine militärische und finanzielle
Überlegenheit benutzt, um Schritt für Schritt
ein ganzes Volk zu zerstören oder in Ghettos einzusperren.
Ich sage diese Dinge nicht aus einem Haß heraus, denn
wir hassen nicht das jüdische Volk und nicht die israelischen
Menschen, wir müssen aber das Unrecht beim Namen nennen,
damit das palästinensische Volk wieder eine unverfälschte
Stimme in der Welt erhält. Sonst sind weitere Verzweiflungstaten
unvermeidlich. Wir möchten mit diesen Worten auch die
Friedensarbeiter auf israelischer Seite unterstützen,
die über das alltägliche Unrecht ebenso fassungslos
sind wie wir. Vor allem aber möchten wir gemeinsam
nach einer Lösung suchen.
Israel gegen Palästina: da kämpft nicht nur ein
Volk gegen ein anderes, auch nicht nur eine Religion gegen
eine andere, sondern da kämpft ein imperiales Machtsystem
gegen ein fast wehrloses Volk. Denn Israel steht nicht allein,
es ist ein wichtiger Stützpunkt der amerikanischen
„Weltordnung“ und wird deshalb von den USA mit
Geld und Waffen unterstützt. Neulich hat sich Hillary
Clinton offen mit Ariel Sharon solidarisiert. Hinter dem
regionalen Konflikt steht ein Machtkartell, welches in Israel
einen wichtigen Stützpunkt der Globalisierung sieht.
Menschenrechtsverletzungen wie in Palästina geschehen
heute überall in der Welt, denn der Kampf imperialer
Wirtschaftsmächte gegen machtlose Völker beherrscht
derzeit die ganze Erde. Es gibt kaum noch eine Bauernfamilie
auf der Erde, die frei über ihr Land verfügen
kann, kaum ein Dorf, das nicht bedroht wäre von den
gnadenlosen Methoden der weltweiten Ausbeutung. Der globale
Terror besteht nicht aus den Einzelaktionen verzweifelter
Rebellen, sondern aus den Machtstrategien des internationalen
Kapitals und seiner politischen Vertreter in allen Kontinenten.
Das System trägt überall dieselben Strukturen
der Gewalt - und hinterläßt überall dieselben
Strukturen des Schmerzes. Die Tränen, die eine palästinensische
Frau über ihre getöteten Kinder weint, sind dieselben
wie die einer Mutter in Israel, in Tschetschenien, in Sierra
Leone oder Nicaragua, dieselben in Manhattan wie in Afghanistan.
Die Trauer um den verlorenen Mann oder Geliebten, der Schmerz
über die zerstörte Heimat, das Frieren und Hungern
auf den endlosen Flüchtlingsmärschen, der Haß
auf den Zynismus der Unterdrücker, die unvermeidlichen
Rachegefühle, die Todestrauer hier und der Siegesjubel
dort - es ist überall dieselbe Struktur einer tief
entzweiten Menschheit.
Die Ursachen der globalen Gewalt liegen nicht nur in der
Machtpolitik von Konzernen, Banken, Militärs und Geheimdiensten,
sondern sie liegen auch in einer fehlgeleiteten menschlichen
Zivilisation insgesamt. Es ist, als hätte die ganze
Menschheit ihren Anker verloren. Der Anker liegt in der
Einheit und der Heiligkeit des Lebens und in der Zusammengehörigkeit
aller Wesen. Die Welt des Menschen muß sich wieder
verbinden mit den höheren (göttlichen) Ordnungen
des Lebens und der Schöpfung. Friede, Heilung und Heimat
werden wir Menschen auf unserer Erde erst finden können,
wenn wir sie mit allen Wesen teilen. Denn die Erde gehört
uns allen, den Menschen, den Tieren, den Pflanzen, den Flüssen
und den Bergen. Wir alle zusammen bilden die große
Einheit des Lebens, in die wir wieder einkehren müssen,
um eine neue planetarische Kultur des Friedens zu errichten.
Heilung ist Heiligung.
Wenn wir Frieden wollen, müssen wir eine Gesellschaft
aufbauen, in der das menschliche Leben wieder eingebettet
ist in die heilige Matrix, die allem Leben zugrundeliegt.
Wir brauchen Friedensdörfer, die in der Lage sind,
solche Modelle zu entwickeln, und wir brauchen Menschen,
die in der Lage sind, solche Friedensdörfer aufzubauen.
Schon ein einziges funktionierendes Friedensdorf in einer
Größe von einigen hundert Menschen könnte
im Gesamtsystem der Erde eine (iterative) Wirkung erzielen
wie der sogenannte „Schmetterlingseffekt“ in
der Chaostheorie. Würde es gelingen, an mehreren Stellen
der Erde solche Friedensdörfer aufzubauen, so befänden
wir uns bereits in einem globalen Heilungsvorgang.
Der Gedanke der Friedensdörfer ist der jüdischen
Tradition nicht ganz fremd. Es waren gläubige Juden,
die im 18. Jahrhundert unter dem Stifter Baalschem die chassidischen
Gemeinschaften gründeten, und es waren die jüdischen
Vertreter eines humanen Sozialismus, welche vor hundert
Jahren die Grundsteine für die Kibbuzbewegung legten.
Die zionistische Bewegung, die heute weitgehend mit dem
internationalen Machtkartell verbunden ist, hatte ursprünglich
ganz andere geistige Hintergründe. Sie wollte den Bund
erneuern, den die Stammväter des jüdischen Volkes
vor 3000 Jahren mit ihrem Gott geschlossen hatten, und sie
wollte auf der Grundlage dieses Bundes das Volk wieder vereinigen.
Für einen gläubigen Juden war dies kein imperialistischer,
sondern ein tief religiöser Gedanke. Die Übersiedlung
aus der Diaspora in das Heilige Land war für viele
Juden der Beginn eines neuen Lebens, ähnlich wie viele
von uns heute die Umsiedlung aus der industriellen Megagesellschaft
in neue Lebensräume als den Beginn eines neuen Lebens
empfinden.
Palästina/Israel liegt an einem besonderen Platz der
Erde. In Palästina ist vor 10.000 Jahren die Stadt
Jericho gegründet worden, eine der ältesten Städte
der Welt. Jerusalem, die alte Hauptstadt, ist seit 3000
Jahren ein politischer und religiöser Knotenpunkt der
Geschichte. Der von König Salomon vor 3000 Jahren gegründete
Tempel enthielt genügend Geheimnisse, um im Mittelalter
(unter Beteiligung von Bernhard von Clairvaux, dem damals
mächtigsten Bischof der katholischen Kirche) die Bewegung
der Templer ins Leben zu rufen. Heute steht der von Mohammedanern
erbaute Felsendom an diesem Platz, darunter befinden sich
etliche Stufen aus früherer Geschichte. Viel ist hier
gerungen worden, viel versucht, viel erhofft und viel zerstört.
Jerusalem, Israel, Palästina: das sind nicht nur politische
Vokabeln, sondern das sind auch Symbole einer hoch engagierten,
suchenden Menschheit. Israel/Palästina
liegt an einem Akupunkturpunkt im geistigen Energiesystem
der Erde. Wenn es gelingt, hier die Botschaft des Friedens
zu errichten durch ein reales Friedensdorf, dann hat diese
Botschaft eine Signalwirkung für die ganze Welt.
Schon jetzt erleben wir in Israel und in Palästina
menschliche Vorgänge, welche das Thema Frieden auf
neue Weise in unseren Herzen verankern. Es gibt auf beiden
Seiten Frauen und Männer, die keinen Haß mehr
predigen und keine Rache mehr fühlen, weil sie zu viel
gelitten haben. Es gibt FriedensarbeiterInnen, die am eigenen
Leid das Leid ihrer vermeintlichen Feinde verstanden haben
- für immer. Können wir nicht mit ihnen zusammen
ein großes Modell der Versöhnung aufbauen - für
immer?
Es wird der Tag kommen, wo wir unter Tränen erkennen,
was wir denen angetan haben, die wir für unsere Feinde
hielten. Es wird auch der Tag kommen, wo wir unter Tränen
erkennen, was wir Menschen und Tieren angetan haben, denn
wir alle sind Mitglieder in der großen Familien des
Lebens. Und es wird der Tag kommen, wo die beiden Hälften
des Menschen - Mann und Frau - unter Tränen erkennen,
was sie sich gegenseitig angetan haben, denn hier liegt
einer der Gründe für die weltweite Verzweiflung.
Versöhnung ist deshalb das zentrale Motiv der Friedensdörfer.
Es muß Orte auf der Erde geben, wo die Wunden für
immer heilen können.
Zum Schluß noch ein
Wort über die Machbarkeit einer besseren Welt. Rein
theoretisch ist es kaum ein Problem. Die Frage ist nur,
ob sich genügend Menschen bereit finden, um entsprechend
zu denken und zu handeln. Ich habe die theoretische Möglichkeit
für einen globalen Frieden begründet in meinem
Buch „Die heilige Matrix“. Die Welt ist ein
„Holon“, ein lebendiges Ganzes. Wenn es gelingt,
in einem Teil des Ganzen neue Strukturen und neue Informationen
aufzubauen, dann wirken diese auch im Ganzen. Sie wirken
etwa so auf das Ganze, wie ein Medikament auf den ganzen
Organismus wirkt. Wenn es gelingt, irgendwo die Friedensinformation
komplex und tief genug zu entwickeln, dann geht sie ein
in den Informationskörper der Erde (Noosphäre)
und ist überall latent vorhanden. Das Holon befindet
sich dann in einem „angeregten Zustand“; es
steigt die Wahrscheinlichkeit, daß auch an anderen
Stellen der Erde ähnliche Strukturen entwickelt werden.
Auch hier gilt, wie in jedem Holon, das Gesetz der morphogenetischen
Feldbildung.
Wir schreiben noch im Konjunktiv,
möchten aber darauf hinweisen, daß wir seit einigen
Jahren konkret an der Vorbereitung von Friedensdörfern
arbeiten. Wir haben zu diesem Zweck das „Institut
für Globale Friedensarbeit“ in Portugal gegründet
und gehen jetzt in die Öffentlichkeit, um viele entschlossene
Menschen zu Mitarbeit und Unterstützung einzuladen.
Es bleibt zu wünschen, daß viele engagierte Menschen
diese Ideen aufnehmen und zu einem weltweiten Friedensring
verdichten. Im August dieses Jahres (2002) werden wir ein
Internationales Friedenscamp durchführen, zu dem wir
auch ca. 40 Teilnehmer/innen aus Israel und Palästina
erwarten. Wir bitten dringend um finanzielle Unterstützung.
Für die Hoffnung aller Liebenden.
Für ein neues Lebensmodell in Israel und Palästina
Salaam! Shalom!
Dieter Duhm
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