Im Juli 2005
stellte Wiebke Priehn eine öffentliche Anfrage an das
Deutsche Sozialforum, in dem sie die „zweifelhaften“
Wurzeln des Attac-Mitglieds ZEGG (Zentrum für experimentelle
Gesellschaftsgestaltung, Belzig, Deutschland, www.zegg.de
) ansprach und mit Falschaussagen zur Arbeit von Dieter
Duhm belegte.
Einige Verantwortungsträger des ZEGG baten Dieter Duhm
um eine Stellungnahme, die im folgenden veröffentlicht
ist.
An dieser Stelle möchten wir betonen, dass das ZEGG
weder von Dieter Duhm gegründet, noch jemals von ihm
geleitet wurde. Einige MitarbeiterInnen des ZEGG waren ehemals
im Kreis um Dieter Duhm aktiv, gehen aber seit über
15 Jahren einen eigenen, unabhängigen Weg.
OFFENER BRIEF VON
DIETER DUHM AN DAS ZEGG
September 2005
Für die Freunde und Freundinnen
im ZEGG,
für die Genossen und Genossinnen in ATTAC und anderen
engagierten Gruppen.
Ich höre, dass das ZEGG
wieder einmal mit den alten Vorwürfen konfrontiert
ist und dass dabei die Namen von mir und Sabine Lichtenfels
immer noch eine ungeklärte Rolle spielen. Ich möchte
mit der folgenden Mitteilung versuchen, Ruhe in die Sache
zu bringen.
Zu meinem Verhältnis zu Otto Mühl und Friedrichshof
habe ich in früheren Erklärungen (1997) alles
Wesentliche gesagt. Ich danke auch Sharan vom ZEGG für
seine sachliche und faire Darstellung. Ich bin mit Otto
Mühl weder befreundet noch sonstwie liiert. Als er
vor etlichen Jahren in die portugiesische Algarve gezogen
ist, habe ich ihn besucht, um die Dinge zu klären,
die uns damals, im Jahre 1979, endgültig getrennt hatten.
Dieser Versuch einer Klärung ist nicht gelungen. Es
geht mir grundsätzlich nicht um Schuldvorwürfe,
sondern um Klärung und Einsicht.
Die ihm vorgeworfenen Sexualdelikte mit jungen Frauen betreffen
einen Zeitpunkt (1990), an dem ich schon längst nichts
mehr mit ihm oder dem Friedrichshof zu tun hatte. Ich hatte
im Jahre 1979 den Friedrichshof endgültig verlassen,
weil es keine gemeinsame Basis gab. Ich war 5 Monate dort,
um zu lernen, nicht um die Methoden zu kopieren. Ich hatte
nie vor, eine Nachfolgeorganisation aufzubauen, denn ich
war mit grundlegend anderen Gedanken und Zielen beschäftigt.
Dafür aber brauchte ich die Erfahrungen am Friedrichshof,
und eine Zeitlang (1978) hatte ich überlegt, ob eine
engere Kooperation möglich wäre. Bald jedoch hat
sich herausgestellt, dass dies nicht der Fall war. Dies
lag einfach daran, dass ich eine Auffassung von Liebe, Ethik,
Gewaltlosigkeit und herrschaftsfreier Struktur hatte, die
Otto Mühl und seine Kommunarden nicht teilen konnten
oder wollten; dazu gehörten auch meine Ansichten über
ein neues Verhältnis zu Natur und Schöpfung, Gewaltfreiheit
gegenüber Tieren, eine grundlegende Kooperation mit
allen Mitgeschöpfen der Natur und eine entsprechende
Neuorientierung in den Bereichen von Ökologie, Religion
und Liebe.
Was die „verbrecherischen“ Sexualpraktiken betrifft,
die ihm vorgeworfen werden, so kann ich nur versichern:
Ich habe nie etwas davon erlebt! Und ich halte es aufgrund
meiner Kenntnis seiner Person und seines Charakters für
unmöglich, dass er Kinder sexuell mißbraucht
hat. Es ist fürchterlich, es ist eine fürchterliche
Riesensauerei, was ihm da zur Last gelegt wird, und was
einfach so geglaubt wird! Vergewaltigung junger Frauen ab
13, sexueller Mißbrauch von Kleinkindern ab dem vierten
Lebensjahr – und das jahrelang!! Ich kann es immer
noch nicht fassen, wenn ich solche maßlosen Verleumdungen
irgendwo lesen muß. Ich war fast ein halbes Jahr lang
auf dem Friedrichshof im österreichischen Burgenland,
wo er lebte und arbeitete. Warum habe ich nie auch nur das
Geringste davon gemerkt? Ich versichere, wenn ich es gemerkt
hätte, hätte ich auf der Stelle etwas dagegen
unternommen. Ich war immer radikal, vor allem dort, wo ich
Zeuge von Unrecht wurde. Ich bitte Frau Wiebke-Priehn inständig,
sie möge doch bitte in Zukunft etwas gewissenhafter
vorgehen, bevor sie so ungeheuerliche Vorwürfe erhebt
wie diesen:
„In der ZEGG-Vorläufer-Kommune Friedrichshof
wurden jahrelang fürchterliche Verbrechen an Kindern
verübt, im Namen der auch vom ZEGG propagierten „Freien
Liebe“.
Bei so viel Falschmeldung und Verleumdung bleibt einem die
Sprache weg. Welcher Haß treibt Menschen dazu, so
etwas zu behaupten, und was bringt andere dazu, es einfach
zu glauben? (Liebe Wiebke, ich möchte nicht, dass das
jetzt als Schuldenlast bei dir hängen bleibt, aber
ich bitte einfach um mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit.
Es wird so wahnsinnig viel denunziert und gelogen in unserer
Zeit, vor allem wenn es um das sexuelle Thema geht.)
Man hat mich oft gefragt, warum ich mich in der Öffentlichkeit
nicht heftiger von Mühl distanziert hätte. Es
gibt darauf zwei Antworten: Erstens weil ich neben den negativen
Dingen (die ich in früheren Stellungnahmen genannt
habe) auch viel positive Erkenntnis gewinnen konnte. Der
Mann hatte den Mut, die sexuellen Heucheleien der bürgerlichen
Gesellschaft incl. ihrer damaligen linken und alternativen
Bewegungen beim Namen zu nennen und auf seine Weise ein
neues Modell für menschliches Zusammenleben zu erproben
(ein Modell, welches wegen innerer Widersprüche nicht
funktionieren konnte). Zweitens, weil ich nicht mit den
Wölfen heulen wollte. Ich konnte einer aufgewiegelten
und falsch informierten Öffentlichkeit keine weiteren
Argumente liefern für eine Art der Vorverurteilung,
die keinen rationalen Argumenten mehr zugänglich war.
Ich habe selbst erlebt, mit was für unfaßlichen
Methoden man jahrelang (1985-1995) gegen mich und unser
Projekt vorging. Die Sektenkampagne, die gegen unser Projekt
in vielen Medien aufgebaut wurde, bediente sich jeder Lüge,
die geeignet schien, um das Projekt zu zerstören. Mit
gefälschten Zitaten, Vorwürfen von Gruppendespotismus,
Frauenverachtung und Kindesmissbrauch waren alle Regeln
menschlicher und journalistischer Fairness durchbrochen
worden. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe waren nicht
nur falsch, sondern sie enthielten genau das Gegenteil von
dem, was wir wirklich taten. Alle, die das Projekt intimer
kennengelernt haben, können das bezeugen. Ich selbst
habe in meinen Leben viel getan für den Schutz der
Kinder, habe im Mannheimer Jugendamt Kinder vor den Übergriffen
Erwachsener geschützt und in den Schriften immer wieder
erklärt, warum es im Sinne einer wirklich freien Sexualität
keinen Sex mit Kindern geben darf. Ich habe in meinem Leben
weder eine Frau vergewaltigt, noch irgendwann „Kinder
zum Zuschauen beim Sex gezwungen“ (wie in irgendeinem
Buch behauptet worden ist).
Man wird verstehen, dass unter solchen Voraussetzungen ich
einigen Grund hatte, nicht alles zu glauben, was gegen Otto
Mühl behauptet wurde. Ich traue ihm massive Fehler
zu, aber er ist kein Schwein, kein Unhold. Die Art und Weise,
wie gegen den Friedrichshof, gegen die Kommune in Schwand,
gegen das ZEGG vorgegangen wurde, gehört in das Zeitalter
der Inquisition, nicht in unser Jahrhundert. Ich bitte alle,
die an diese Verleumdungen geglaubt haben, in Zukunft vorsichtiger
zu sein mit dem Urteil und kritischer zu sein im Umgang
mit einer weithin manipulierten Presse und ihren merkwürdigen
Zuträgern.
Zum Thema Mißbrauch
von Kindern. Ich habe immer darauf hingewiesen, dass Kinder
keine Sexualpartner für Erwachsene sind. Ich komme
mir schon komisch vor, so etwas überhaupt sagen zu
müssen. Ich kenne (nicht zuletzt aus meiner mehrjährigen
psychoanalytischen Praxis) die traumatischen Folgen sexueller
Gewalt an Kindern. Daß so eine Perversion überhaupt
entstehen kann, liegt an der gestörten Situation Erwachsener.
Die aber ist heute kein Einzelfall, sondern eine Epidemie.
Zur Zeit findet in Europa die Entlarvung eines internationalen
Netzwerks von organisiertem Kindesmissbrauch statt. 26.000
Teilnehmer sind als aktive Teilnehmer bereits bekannt, und
es werden täglich mehr. Wenn wir die Kinder ernsthaft
schützen wollen, ein für allemal, dann müssen
wir eine Lebensordnung und eine Sexualkultur aufbauen, in
der solche Triebstauungen nicht mehr auftreten können.
Es hat keinen Sinn mehr, einfach zu verurteilen. Wir können
uns nicht mehr innerlich herausreden aus einem kollektiven
Vorgang, indem wir andere verurteilen. Es sind viel zu viele,
die wir verurteilen müssten. Wir müssen mithelfen
am Aufbau einer Welt, in der diese Art von Barbarei nicht
mehr entstehen kann, weil es keine Erwachsenen (die ja selbst
alle einmal Kinder waren) mehr gibt, die ihre gestauten
Bedürfnisse an Kindern auslassen, und keine Männer
mehr, die ihre gestauten Energien an Frauen auslassen. Ich
habe dazu einen Text geschrieben mit dem Titel „Die
Kriegsgesellschaft und ihre Transformation“. Ich möchte
ihn im Anhang beilegen. Vielleicht können das ZEGG
und andere Gruppen diesen Text lesen und verbreiten. Das
wäre gut für ein tieferes Verständnis unserer
gemeinsamen Arbeit.
So weit die Richtigstellung. Wer mehr erfahren möchte,
möge jetzt weiterlesen. Ich bringe einige Kerngedanken
des Projekts, an dem ich mit einigen anderen seit fast 30
Jahren arbeite.
Ein anderes Leben ist möglich!
Ja! Wenn wir dafür die Bedingungen schaffen, die gemeinsamen
Vorbereitungen treffen und wenn wir aufhören, uns gegenseitig
zu bekämpfen. Der Friede, den wir anstreben auf der
Erde, muß zunächst in uns selbst stattfinden.
Das ist kein Wort zum Sonntag, sondern ein Wort zur Revolution
in unserer Zeit.
Wie man weiß, arbeite
ich seit fast 30 Jahren mit einer wachsenden Anzahl von
Mitarbeitern an einem Zukunftsprojekt, dem globalen „Projekt
der Heilungsbiotope“. Das Schwergewicht dieser Arbeit
liegt nicht mehr auf dem Kampf gegen die Mächte der
Globalisierung, sondern im konkreten Aufbau neuer Modelle
für eine lebenswerte Zukunft. Dieser Aspekt ist in
der linken Bewegung zu lange unterschlagen worden. Von ihm
aber wird es abhängen, ob sich eine bessere Welt auf
unserem Planeten manifestieren kann oder nicht.
Um siegen zu können im Kampf um eine friedliche Welt,
brauchen wir nicht nur die Kraft zum Widerstand, sondern
noch mehr die Kraft des Friedens und die Kenntnis seiner
Gesetze. „Antiglobalisierung“ ist viel zu wenig.
Wir brauchen die Intelligenz, die Vision und die Kraft für
eine „positive Globalisierung“, d.h. für
den Aufbau einer globalen Friedenskraft. Angesichts des
unendlichen Elends geht es nicht mehr nur um die Korrektur
kapitalistischer Entgleisungen, sondern es geht um die Einleitung
einer neuen menschlichen Zivilisation auf der Erde. Diese
Arbeit kann nicht mehr mit herkömmlichen politischen
Kategorien erfasst werden, sie ist weder „links“
noch „rechts“ , sondern sie ist revolutionär
und in einem gründlichen Sinne ideologiefrei. Sie muß
neue Seiten unserer menschlichen Existenz einbeziehen, die
bisher außerhalb des politischen Denkens standen und
eher den Bereichen von Mythologie oder Tiefenpsychologie
zugeordnet wurden: Dinge wie Sexualität, Liebe, Religion,
Ethik, Transformation und Wandlung. (Die früheren Mitarbeiter
in der Gemeinschaft von Schwand werden sich an diese Dinge
erinnern.) Nicht zuletzt waren es solche Einsichten und
entsprechende Veröffentlichungen, welche vor 20 Jahren
den öffentlichen Aufstand gegen das Projekt mitverursachten.
Im Laufe dieser Arbeit entstand eine neuartige Kette von
Zusammenhängen, der wir folgen mussten und noch müssen,
um wirkungsvolle Friedensarbeit leisten zu können,
z.B. folgende: Um Frieden zu verwirklichen, brauchen wir
funktionierende Gemeinschaften; um funktionierende Gemeinschaften
zu erzeugen, brauchen wir ein unverlogenes Liebesleben mit
unverlogener Sexualität. „Freie Sexualität“
war und ist ein Stichwort für ein freies sinnliches
Liebesleben ohne Verlustangst, Erpressung und Eifersucht;
um freie Sexualität zu ermöglichen, brauchen wir
eine spirituelle Grundlage für eine tiefere zwischenmenschliche
Ethik. Es handelt sich nicht um verantwortungslose Promiskuität,
sondern um Eigen-Wahrheit und Eigen-Verantwortlichkeit in
der Liebe. Was wir über freie Liebe und freie Sexualität
geschrieben haben, sind keine dogmatischen Sätze, die
kirchentreu nachgebetet werden sollen. Es sind Ergebnisse
einer sehr langen Forschungsreise durch das Thema von Liebe,
Gemeinschaft, Heilung und Zukunft. (nachzulesen in Sabine
Lichtenfels: „Weiche Macht“, und Dieter Duhm:
„Der unerlöste Eros“, beide im Verlag Meiga).
Es geht nicht um Ideologie, sondern um Wahrheit. Es geht
nicht darum, ob ich der „freien Liebe“ oder
der „Zweierliebe“ anhänge, sondern ob ich
bereit bin, hier wie da nach der Wahrheit zu leben und mich
nicht den gesellschaftlichen Zwängen zur Heuchelei
oder einer Gruppenideologie zu unterwerfen. Mein ganzes
Leben hat sich gegen Ideologie und Dogmatismus, gegen Anpassung
und Unterwerfung gewehrt. Der Marxismus war mir immer zu
orthodox, ich befand mich und befinde mich noch auf der
Seite einer Wissensbereitschaft, die individuellen Mut erfordert.
Meine vorbehaltlose Solidarität gilt allen, die den
Mut haben, gegen das gesellschaftliche Unrecht zu kämpfen
und dabei trotzdem nicht die innere Wahrheit zu verlieren.
Wir brauchen für die globale Friedensarbeit ein kollektives
Kraftfeld, aber wir brauchen auch Menschen, die es in ihrer
inneren Entschlossenheit für das Gute zu tragen und
zu steuern wissen.
Wir brauchen ein neues Konzept für Liebe, Sexualität
und Partnerschaft. Wenn täglich Millionen junger Liebesbeziehungen
an diesem ungelösten Thema zugrundegehen, dann ist
das ein Politikum unserer Zeit, das wir aus den Gedanken
und Zielen unserer Friedensarbeit nicht mehr ausklammern
können. Denn „Es kann keinen Frieden auf der
Erde geben, solange in der Liebe Krieg ist.“ Es war
zu billig, mir Sexismus vorzuwerfen. Man hat Zitate herausgesucht,
die meine „sexistische“ Haltung zur Sexualität
auf plattester Ebene beweisen sollten. Warum hat man nicht
auch die anderen gebracht, zum Beispiel Sätze wie diese:
Um das Konzept der freien
Sexualität zu verstehen, müssen wir erfahren haben,
was es bedeutet, im sexuellen Bereich ehrlich zu werden
und zu erkennen, wie weit unser reales Sexualleben von den
wirklichen Phantasien und Wünschen entfernt ist. Diese
Diskrepanz muß aufgehoben werden, damit es in der
sinnlichen Partnerschaft der Geschlechter zu Wahrheit, Solidarität
und dauerhafter Treue kommen kann. Die sinnliche Liebe beginnt
oft in einer starken Verliebtheit zweier Partner. Diese
Quelle muß unter allen Umständen geschützt
werden, denn hier ist Wahrheit verlangt, um der Liebe Dauer
zu geben. Man kann nicht vor den ersten Schwierigkeiten
davonlaufen und die freie Sexualität propagieren, weil
man den Problemen der Zweierliebe nicht gewachsen war. Freie
Liebe ist kein Zufluchtsort für Gescheiterte, sondern
es ist eine höhere Ordnungsebene der Liebe, auf der
Zweierliebe und Treue nicht mehr auf die Ausschließung
Dritter angewiesen sind. Es ist die Ordnungsebene, die sich
in solidarischen Zukunftsgemeinschaften von selber einstellt,
sobald genügend Vertrauen und gegenseitige Unterstützung
vorhanden sind.
(Darf ich noch anfügen,
dass ich mit meiner Partnerin, Sabine Lichtenfels, seit
27 Jahren in absoluter Treue und Liebe verbunden bin, obwohl
wir freie Liebe verkünden und praktizieren? Freie Sexualität
und Partnerschaft schließen sich nicht aus, sondern
bedingen einander.
Sabine Lichtenfels befindet sich zur Zeit auf einer Pilgerschaft
nach Bethlehem und Jerusalem, wo sie mit Freunden aus Israel
und Palästina eine Friedensaktion an der Mauer durchführen
wird, um dort den Gedanken eines Friedensdorfes in Nahost
zu verankern. Denn im „Heiligen Land“ entscheiden
sich Dinge von globaler Bedeutung. Sabine Lichtenfels pilgert
ohne Geld und weitgehend zu Fuß, weil sie auf diese
Weise mit vielen Menschen in Kontakt kommt, die ebenfalls
unterwegs sind. Was für einen Sinn soll es haben, dieser
Frau, die zusammen mit 1000 Friedensarbeiterinnen aus aller
Welt für einen kollektiven Friedensnobelpreis nominiert
wurde, Sexismus vorzuwerfen? Hätten wir einige mehr
von solchen Menschen, dann sähe die Erde bald anders
aus.)
Manche sind erstaunt
oder befremdet, wenn ich religiöse Vokabeln benutze
und von einer „göttlichen Welt“ rede. Die
Antwort ist einfach: weil das „Göttliche“
eine Realität ist. Wir könnten ohne diese Realität
weder leben noch heilen. Ich verstehe das Unbehagen an abgenutzten
religiösen Vokabeln; aber es kommt nicht auf die Vokabeln
an, sondern auf die Erkenntnis, dass es neben den irdischen
und gesellschaftlichen Gegebenheiten noch ganz andere, geistige
und kosmische Kräfte gibt, die unser Leben bestimmen.
Das ist heute keine Frage des Glaubens, sondern des Wissens;
selbst die neuesten Wissenschaften bewegen sich unaufhörlich
immer weiter in diese Richtung. Wir könnten an keinen
dauerhaften Frieden glauben, wenn neben den gesellschaftlichen
und historischen Zerstörungskräften nicht auch
universelle (entelechiale) Heilungskräfte wirksam wären,
die überall am Werk sind, um das Leben zu erhalten
und neue Lebensmöglichkeiten hervorzubringen. Für
die Darstellung und Begründung dieser Weltenschau habe
ich das Buch „Die Heilige Matrix“ geschrieben.
Es enthält eine umfassende Begründung, wie und
warum ein planetarischer Friede schon in relativ naher Zukunft
möglich ist.
Die Welt ist noch lange nicht fertig. Wir müssen nicht
nur auf ihre Schwierigkeiten, sondern auch auf ihre Möglichkeiten
schauen. Das gilt für die Menschheit als Ganzes, und
es gilt auch für unser eigenes Leben. Wir sind nicht
nur gebunden an eine schlimme Vergangenheit und Gegenwart,
sondern wir haben auch eine „freie Öffnung nach
vorn“. Die vor uns liegenden Möglichkeiten sind
nicht determiniert durch unsere Vergangenheit, sondern durch
viel weitere Räume im Bauplan des Multiversums. Wir
sind teilweise geprägt durch unsere Herkunft und Vergangenheit,
wir sind aber auch angelegt auf ein genetisches Ziel der
Befreiung, welches nicht nur in unserem Wunschdenken, sondern
im Informationskern unserer Zellen, in unserem „Urprogramm“
und unserer „Entelechie“ verankert ist. Wenn
es nicht so wäre, könnten keine Wunden von selber
heilen, keine Liebenden sich umarmen und keine Worte der
Versöhnung fallen. Wir sollten deshalb nicht nur „das
Böse bekämpfen“, sondern noch viel mehr
„das Gute pflegen und fördern“. Mit anderen
Worten: Um Friedensarbeit im Sinne der Heilung machen zu
können, brauchen wir – für uns selbst wie
für unseren ganzen Planeten – eine Wiedererinnerung
an jene Quelle, aus der die Heilung kommt. Wir brauchen
das, was Kinder haben und was wir alle hatten, bevor wir
es verdrängen und verleugnen mussten. Und wir brauchen
eine umfassende Idee, wie wir diese Quelle unter uns Menschen
verwirklichen und verbreiten können. Und nicht nur
zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Tier,
Mensch und Natur, Mensch und Schöpfung. Wir brauchen
die positive Vision einer anderen Lebensmöglichkeit,
und wir brauchen ein Wissen, warum diese Vision realistisch
ist. Wir bleiben sonst in unseren alten Lebensschreck wie
das Kaninchen vor der Schlange auf unsere Feindbilder fixiert
und verlieren dabei die positiven Ziele, für die wir
angetreten sind und die wir alle früher einmal geliebt
haben.
Heilung ist die Befreiung von jener Lebensangst, die uns
in einer dreitausendjährigen Geschichte der Gewalt
eingebläut worden ist. Wir können diese Art von
Heilung nur erreichen, wenn das positive Ziel, für
das wir arbeiten, stärker ist als die Widerstände,
die ihm im Äußeren und in unserem Inneren entgegenstehen.
Je mehr wir das Verbrechen durchschauen, welches heute weltweit
von einem Konsortium aus Wirtschaft, Banken, Regierungen
und Militärs begangen wird, desto mehr sind wir herausgefordert,
eine globale Energie zu entwickeln, welche stärker
ist als das bestehende Machtkartell. Diese Energie gibt
es, sie befindet sich in jenem universellen Kraftpaket,
aus dem alles Existierende hervorgegangen ist und welches
sich bei geeigneter Resonanz sehr schnell in einem Netzwerk
auf der Erde verbreiten könnte. Die Kraft einer globalen
Heilung finden wir, wenn wir herausgefunden haben, durch
welche Lebensmodelle wir uns mit diesen Kräften verbinden
können - in unseren eigenen Gemeinschaften und im Umgang
miteinander ebenso wie in den Notgebieten der Erde. Das
ist eine zentrale Forschungsaufgabe unserer Zeit. Es ist
keine esoterische Frage, sondern eine politische. Es gibt
auf der Erde eine Reihe von Menschen und Gruppen, die an
solchen Konzepten arbeiten. Das Institut für globale
Friedensarbeit (IGF) in Tamera/Portugal ist gegründet
worden, um mit ihnen zusammen eine umfassende Perspektive
für eine gewaltfreie Erde zu entwickeln.
Das Projekt MEIGA (Modell einer internationalen gewaltfreien
Alternative) umfasst nicht nur die Aktivisten von Tamera,
sondern FriedensarbeiterInnen aus aller Welt. Zur Zeit befindet
sich eine Gruppe aus Tamera in Israel und Palästina,
um mit dortigen Friedensarbeitern die Gründung eines
Friedensdorfes in Nahost vorzubereiten. Eine andere Gruppe
befindet sich in San Jose/Kolumbien, um dort mitzuhelfen,
die Einwohner vor weiteren Bluttaten der Militärs und
Paramilitärs zu schützen und ihnen eine sichere
Zukunft zu ermöglichen. Diese Aktionen sind jahrelang
vorbereitet worden und könnten jetzt zu ersten Erfolgen
führen. Das in Tamera gegründete Projekt der Heilungsbiotope
erhält inzwischen Mandate aus aller Welt; wir könnten
deshalb mehr engagierte MitarbeiterInnen gebrauchen. Es
wäre sinnvoll und für alle nützlich, wenn
in Deutschland die alten Diffamierungen aufhören könnten
und wenn sich möglichst viele Menschen über die
Gedanken, Ziele und Aktionen des Projekts informieren könnten.
Die Welt braucht Hilfe.
Es geht nicht um eine kleine Gemeinschaft in Portugal, es
geht auch nicht um ihre Gründer, sondern es geht um
ein Konzept der globalen Hilfe und Heilung. Ich habe ein
solches Konzept dargestellt in dem Buch „Die Heilige
Matrix“. Die dort beschriebene „Politische Theorie“
erklärt, wie und warum wir mit wenigen Friedensdörfern
auf der Erde (Ich nenne sie „Heilungsbiotope“)
global wirksam werden können. Das entstandene Konzept
ist noch längst nicht fertig, es befindet sich in ständiger
Erweiterung. Die Grundstruktur der Gedanken ergab sich aus
mehreren Jahrzehnten kontinuierlicher Arbeit an der Frage,
wie der globale Krieg beendet und die Evolution der menschlichen
Zivilisation in eine neue Richtung geführt werden könnte.
Einige Mitglieder im ZEGG waren für mehrere Jahre an
dieser Arbeit beteiligt. Daß wir uns trennen mussten,
lag an den äußeren Umständen der Sektenverfolgung
und wohl auch an der Schwierigkeit des Themas, dem viele
nicht mehr folgen konnten oder wollten. Inzwischen ist vielleicht
genügend Zeit vergangen, um die Dinge, die sich seitdem
entwickelt haben, mit sachgemäßem Interesse zu
betrachten. Tamera ist keine abgeschlossene Gemeinschaft,
sondern eine offene Agentur für weltweite Friedensarbeit.
In dem vor uns liegenden Projekt „Monte Cerro“
soll in dreijähriger Arbeit ein solares Modelldorf
entwickelt werden, welches in dieser oder einer ähnlichen
Form in vielen Notgebieten der Erde zum Einsatz kommen könnte.
Tamera und seine Gründer freuen sich auf eine sachdienliche
Zusammenarbeit. Der alte Familiengram mit den Freunden im
ZEGG und das Vorurteil in der Öffentlichkeit könnten
jetzt durch eine lösungsorientierte Kooperation ersetzt
werden. Möge wieder zusammenkommen, was zusammen gehört.
Mit dieser Hoffnung verbleibe ich
in Versöhnungslust und Solidarität
Dieter Duhm
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